Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 11 (August 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-08-01
- Page
- 358 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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388 Licht- und Schattenbilder. die Straße», ohne zu wissen wohin — Eine Restauration zog seine Aufmerksamkeit auf sich, Erfrischung that ihm noth; die Zunge klebte ihm fast am Gaumen — Er trat ein und verlangte einen Becher EiS — Er trocknete mit dem Tuche die Schweißbedeckte Stirn und verschlang mit fast gieriger Hast das Gefrorene. Es that ihn, wohl, er ließ sich noch mehr reichen. Doch das rasche Gehen hatte ihn ermüdet, er lehnte sich zurück auf's Canapee und griff nach Zeitungen — Eine Stunde mochte er wohl geruht haben, ehe er sich wieder auf den Weg machte. Er fühlte sich nun zwar völlig abgeknhlt, aber, die Mattigkeit war ihm geblieben; langsamen Schrittes erreichte er die Wohnung der Stickerin, die er von nun an als die seinige betrachtete. Des Vaters Haus betrat er nicht wieder. Ein, wie er anfangs glaubte, leichtes Fieber befiel ihn schon am andern Toge; es war die Folge des raschen Eisgenusses nach so übermäßiger Erhitzung. Gr mußte daS Bett hüten, doch allwöchentlich richtete er einen Brief an den Vater mit der dringenden Bitte, seinem Wunsche zu willfahren; nie ward ihm Antwort. Seine Krankheit nahm einen ernsteren Charakter an, sein ausschweifender Lebenswandel hatte seine ursprünglich kräftige Constitution längst untergraben; die Aerzte gestanden, daß sie keine Hoffnung mehr hegten. Er flehte den Vater an, nur zu ihm sich zu begeben, von seiner Heirath sprach er nicht mehr; seine Stunden waren ja gezählt, aber zu sehen verlangte er den Vater noch einmal. Umsonst; der reiche Bankier konnte die Wohnung der armen Stickerin nicht betreten. Sein Bruder erfuhr es, er eilte zu ihm und beschwor ihn, in sein Haus sich bringen zu lassen. Vergebens. Der Kranke weigerte sich entschieden, das Zimmer seiner Geliebten zu verlassen - In ihren Armen hauchte er seinen Geist aus — Eckert war eben aus dem Comptoir heimgekehrt, als man die Trauerbotschaft ihm hinterbrachte. Einen Augenblick stand er starr, dann sank er in einen Sessel, und barg das Antlitz in den Händen. Seine Gattin schluchzte laut.