Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 11 (August 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-08-01
- Page
- 357 (sequence 11)
- Language
- German
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357 Von S... blicklich sich befand; sie beschloß sie zu nützen, affeftirte Stolz und verweigerte die Annahme auch des geringsten Geschenkes. Mit ihr kose», während sie die stinke Nadel auf und nieder gleiten ließ, das war die einzige Gunst, die er erlangen konnte. Diese Tugend imponirte dem jungen Wüstking, sachte aber die Glnth seiner Leidenschaft nur noch mehr an; er hoffte sie zu besiegen. Doch als die Zeit verstrichen, und das junge Mädchen noch immer fest geblieben, da schwur er stch's, ihr zu lohnen. Der Ehe Segen sollte ihre Liebe heiligen; der Verschiedenheit ihrer Religionen gedachte er nicht einmal; die Liebe gleicht ja astes aus. Nur Eine Schwierigkeit gab es für ihn, des Vaters Einwilligung zu erlangen. Doch auch hieran verzweifelte er nicht. Seit jenem Abend hatte das Verhältniß zwischen Vater und Sohn sich vollständig geändert. Eckert war freundlich wie noch nie gegen den Sohn, der Besserung gelobt und der seinem ausschweifenden Lebenswandel auch wirklich bereits entsagt. Das Verhältniß mit der Stickerin war ihm freilich nicht ganz unbekannt; doch das war ja so wenig kostspielig, warum sollte er dies Vergnügen ihm nicht gönnen? all zu strenge darf man ja nicht gegen die Jugend sein. Doch wie staunte er, als eines Tages der Sohn allen Ernstes seine Einwilligung zur Ehe mit jenem Mädchen sich erbat. Anfangs glaubte er seinen Ohren nicht trauen zu dürfen, dann wollte er das Ganze als Scherz betrachten; als er aber am Ende seinen Irrthum doch erkennen mußte, da kannte seine Wuth keine Grenzen. Wie, zumuthen wollte man ihm, daß mit dem Pöbel er sich verschwägere, daß die Schneiderwaise als Tochter er begrüße? — Daß sie Christin war: das kam auch bei ihm nicht in Betracht, doch daß ihr Vater Flickschneider, daß ihre Mutter Wäscherin gewesen! — Es war zu arg. Es kam zu einem fürchterlichen Auftritt. Eckert gerieth in formltche Raserei; der Sohn erhitzte sich nicht weniger, blieb keine Antwort schuldig. Die Scene endigte, daß Ednard fortstürzte mit dem Schwur, des Vaters Haus nicht wieder zu betreten, bis ■ daß er dessen Einwilligung zu seiner Heirath erlangt. Es war in der Mittagsstunde; in seinen Adern kochte es; die glühende Julisonne erhitzte das Blut ihm noch mehr, er rannte durch 23*