Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 11 (August 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-08-01
- Page
- 355 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932947-2932959-2949540--09626-2949573- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
355 JSpn®..״ feil mit der Aufforderung, ihn auf einem Geschäftswege zu begleiten. Eduard erröthete, ihm kam dieser Antrag nicht sehr gelegen; er war eben im Begriff gewesen seine Toilette zu ändern und dorthin zu eilen wo er sich schon erwartet wußte. Doch in Gegenwart der schonen Stiefmutter vermochte er des Vaters Wunsch nicht abzulehnen. ״Und wohin wünschest Du, daß ich Dich begleite?" ״Nicht weit, ich halte Dich nicht lange auf," lautete die ausweichende Antwort. Die Herren empfahlen sich bei der Dame des HauseS, und schritten zur Straße hinab. Er war einige Schritte voraus, er flüsterte dem vor dem Hausthore haltenden Droschkenführer die Nummer des Hauses wohin er fahren sollte und stieg ein. Eduard folgte. Schweigend lehnte der Vater in eine Wagenecke; der Sohn verschmähte, sich neugierig zu zeigen, eine Opernarie summend zog er eine Cigarre hervor. Der Wagen durchrollte mehrere Straßen und hielt endlich in der Nähe der Börse. Der Kutscher öffnete den Schlag und Eckert verließ den Wagen. Ein kalter Schauer durchrieselte Eduard, als er die bisherige Wohnung seiner älteren Schwester erkannte; gern wäre er umgekehrt, doch er fürchtete Feigheit zu verrathen; stumm schritt er neben seinem Vater die Stiegen hinan. Die Wohnung war geschlossen, Eckert zog die Glocke; ein Diener öffnete und blickte erstaunt auf die Herren, nach deren Begehren er höflich fragte. Eckert bezeichnete das Zimmer das er zu betreten wünschte. 4׳ ״Dort aber —" rief der Diener. ״Ich weiß, ich weiß," fiel Eckert ein und zog den Arm seines Sohnes in den seinen, ״führen Sie uns dorthin." Der Diener gehorchte und stellte den Armleuchter, den er in Händen hielt, dort aus den Tisch, dann verließ er auf Eckerts Wink das Zimmer. Vater und Sohn befanden sich allein; ein leichtes Frösteln schien den Letzteren zu überfallen, und auch nur mit Anstrengung behielt der Andere seine Fassung, einige Augenblicke vergingen lautlos - Dann ergriff Eckert den Leuchter und des Sohnes Arm noch 23 .i