Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 11 (August 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-08-01
- Page
- 354 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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854 Licht- und Schattenbilder. ״bist unfähig ein zartfühlendes in seinen heiligsten Gefühlen verletztes Herz zu verstehen!" Nach und nach ließ aber doch ihr Tobe» nach, und ste erklärte sich am Ende bereit, dem Vater zu seiner Wohnung zu folge»; den» in dem Sterbehause wo das Gericht bereits Alles zu versiegeln begann, konnte ihres Bleibens nicht mehr sein. — Eiligst raffte sie ihren reichen Schmuck zusammen, befahl der Kammerfrau, ihre Garderobe nachzubringen und bestieg mit Vater und Tochter einen geschlossenen Wagen, der sie ihrer ehemaligen Heimath wieder zuführte. Mehrere Wochen waren verstrichen, Rosaltndenö Aufregung hatte sich gemäßigt, und sie begann ihr früheres Leben wieder ausznnehmen, wollte Verehrer und Anbeter wieder um sich sehen. Doch mit Entschiedenheit trat diesem Vorhaben ihr Vater in den Weg. Seine jugendliche Gattin war zu rein, in ihrer Gegenwart konnte er solches nicht gestatten. — Rvsalinde wüthete. ״Niedrige heuchlerische Judenseele!" schrie sie als ihr Vater sie verlassen, ״weißt Du denn nicht, daß unser Heiland selbst gesprochen: ihr sei vergeben denn sie hat viel geliebt." Am andern Morgen, als Eckert eben mit Frau und Kind beim Frühstück sich befand, trat seine Enkelin leichenblaß ein, und theilte ihm mit, daß sie das Zimmer ihrer Mutter leer getroffen, auf der Toilette aber ein Briefchen an den Vater adressirt. — Eckert offnete den Zettel. Seine Tochter hatte ihm mitgethetlt, daß sie entfliehe und ihn aufgefordert, sie nicht zu verfolgen, er werde sie doch nicht erreichen. Mit einem Schauspieler, mit dem sie schon seit längerer Zeit ein vertrantes Vcrhältniß unterhalten, war sie entflohen. Ihr Vater befolgte ihren Rath, er stellte keine Nachforschungen an. — Um einige Wochen müssen wir zurück uns versetzen. Es war gegen Abend des Sterbetages des Lieutenants v. R. Zn düsterer Stimmung hatte die Familie das Diner eben eingenommen, als Eckert, obgleich selbst noch tief erschüttert von den Ereignissen des Tages, doch noch einen Versuch zu machen beabsichtigte, dieselben für seinen jüngsten Sohn zu nützen. Er wandte sich daher an die-