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Jeschurun · 1865-08-01 · Heft 11 (August 1865) · p. 353

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 11 (August 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-08-01
Page
353 (sequence 7)
Language
German
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353 Von S ... Noch mehr näherte er sich, schon ward er von der Menge vor dem Hanse bemerkt; man blickte ans ihn und flüsterte — Was mochte es sein? Er beschleunigte seine Schritte, die Leute machten ihm Bahn, als wollten sie den Weg zu seiner Tochter Wohnung ihm zeigen. Warum grüßten ihn denn Bekannte mit so eigenthümlicheu Blick? Es war nicht seine Absicht gewesen, Rosalinde zu besuchen, aber fast ohne daß er's wußte, hatte er ihre Schwelle übertreten und eilte die Stiegen hinan. Der Vorplatz war nicht wie sonst geschlossen, weit offen stauden die Thüren. Gerichtspersonen schienen za kommen und zu gehen. Eine unheimliche Ahnung beschlich ihn, er eilte der Thür des Wohnzimmers zu. Ein Diener vertrat ihm ängstlich den Weg. ״Wollen Herr Eckert denn dort hineingehen? Die Leiche liegt drinnen." ״Die Leiche? — Wessen Leiche?" ״Wissen Herr Eckert denn nicht? — Der Herr Baron hat mit einer Kugel sich das Hirn zerschmettert. In jenem Zimmer liegt seine Leiche." Eckert erblaßte, er mußte sich an die Wand halten und mehrcrc Augenblicke vergingen, ehe er nach seiner Tochter zu fragen vermochte. Man führte ihn in ihr Boudoir. In Verzweiflung, ausgelöst in Thränen stürzte Rosalinde ihm entgegen. ״Papa, Papa! O diese Schande, ich kann's nicht überleben!" — Eckert, obwohl er die Tochter längst nicht mehr zu achten vermochte, war doch Vater. Mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln suchte er sie zu beruhigen; doch es wollte ihm nicht gelingen; sie hörte nicht auf, zn jammern und zu klagen, und dem elenden Selbstmörder zu fluchen, der ihrer Ansicht nach erst durch sein Ende den Namen geschändet hatte, den sic trug. Endlich vernahm Eckert ans dem Hintergründe des Zimmers ein heftiges Schluchzen, er blickte hin und gewahrte seine Enkelin, ein zartes fünfzehnjähriges Mädchen, die vor Schmerz sich windend am Boden lag. ״Mutter, Mutter!" schluchzte das unglückliche Kind als diese in Schoiähungen gegen den Todten nicht enden wollte, ״er war doch mein Vater." x ״Und Du bist ein Idiot!" schrie die zärtliche Mutter sie an,

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