Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1865-08-01 · Heft 11 (August 1865) · p. 352

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 11 (August 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-08-01
Page
352 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2932754-2932947-2932959-2949540--09623-2949570
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

352 Licht- und Schattenbilder. Die Börsewar vorüber/ die Geschäftswelt strömte heraus; alle, die Großen und Kleinen der Börse schritten sie dort einher. Die Einen stolzen triumphirenden Schrittes, die Andern mit gesenkter Stirn noch rechnend und rechnend, trotzdem sie das Geschäft schon abgeschlossen, noch Andere nur mühsam das sorgenschwere Haupt aufrecht erhaltend, ihre Spekulation war mißglückt. Zu den Erstgenannten gehörte auch Eckert. Hoch aufgerichtet in der stolzesten Haltung schritt er die Stufen der Börse zur Straße hinab. Wieder war's ihm geglückt, wieder hatte er gewonnen, sein Geld schien magnetische Kraft zu besitzen, seine ׳Millionen immer neue Millionen anzuziehen. Sein Gebrauch war aber auch ein ungeheurer, die Verschwendungssucht seines jüngsten Sohnes und adeligen Schwiegersohnes hakte ' Monte "Christo's Schatz׳ zu erschöpfen vermocht. Eckert sah das ein, er hatte Letzterem daher schon in jungster Zeit manch unverschämte Forderung verweigert. Dann drohte der Wüstling durch Selbstmord seiner Verlegenheit ein Ende zu machen; immer aber hatte er noch irgend einen Wucherer entdeckt/der ihn zu den unerhörtesten Zinsen wieder mit Geld versah; so hatte er denn seine Angehörigen so sehr schon an derlei Neuerungen gewöhnt, daß-sie nicht das geringste Gewicht mehr darauf legten. Gestern war er wieder einmal in Eckerts Comptoir gewesen, und hatte fast unter Thränen um ein Darlehen gefleht. Der hochmüthtge Adelige schien in wirklicher'Verzweiflung und sein Schwiegervater hatte sich daher geneigt erklärt, eine ziemlich hohe Summe ihm einzuhändigen; doch verächtlich hatte der Verschwender diese zurückgewiesen und beinahe das Dreifache verlangt, es handelte sich um eine Ehrend. h. Spielschuld; weniger konnte ihm daher, wie er sagte, nicht nützen. Eckert aber war nicht zu erweichen und mußte wieder einmal eine Kugel durchs Hirn anpreisen hören, hatte aber diese Drohung nicht weiter beachtet, war sie doch zu oft schon als Schreckschuß erschienen. - Weiter schritt er die Straße entlang, als ein Hansen Leute vor einem Hause versammelt seine Aufmerksamkeit auf sich zog. Was gab es denn in jenem Hanse dort? — wohin blickten die Leute so unverwandt? — Er kam näher. War das nicht das Haus, dessen Belletage seine älteste Tochter bewohnte? — Richtig das wafts.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.