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Jeschurun · 1865-07-01 · Heft 10 (Juli 1865) · p. 330

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 10 (Juli 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-07-01
Page
330 (sequence 17)
Language
German
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830 Licht- und Schattenbilder. peräments sprach. Wer sie so sah, mit dem schelmischen Lächeln auf den Lippen, der konnte es kaum für möglich halten, daß sic auch ernst sein koünte, und doch konnte Julie ernst sein, sehr sehr ernst. Eitttr der reichsten Bankiers der Gegend hatte in einer Soiree ihre Bekanntschaft gemacht, und war von ihrer blendenden Schönheit, ihrer muntern, geistreicheil Unterhaltung so entzückt, daß er in Liebe für ste entbrannte und bet ihrem Vater um ihre Hand anhielt. — Es war ein Leichtes, Erkundigungen über ihn etnzuziehen, und da diese in jeder Beziehung die günstigsten Berichte lieferten, entschloss sen sich die Eltern mit ihrer Tochter zu reden. Es war an einem Nachmittag; die Pfeife im Munde, den schwarzen Kaffee vor sich, saß Wolf in seinem Lehnsessel, die Zeitüng in der Hand. Seine Augen ruhten zwar auf ihr, aber schwerlich wußte er was sie enthielt; denn mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte er der Unterredung im geöffneten Nebenzimmer. Die Mutter hatte der Tochter eben mttgetheilt, daß der reiche Bankier Grünwald um sic angehalten und daß ihr Vater die günstigsten Berichte über seinen Charakter erhalten. - Nachdcnkend saß Julia da, dunkle Röthe hatte ihre Wangen überzogen. ״Kennst Du Grünwald schon seit längerer Zeit?" fragte Frau Wolf nach einer Weile. ״Seit der Soiree bet B's trbsse ich ihn fast in allen Gesellschäften Und da er mich stets aufsucht, sind wir recht bekannt mit einander geworden; er ist ein angenehmer Gesellschafter." ״Du kannst es Dir überlegen liebes Kind," fiel die Mutter ein, ,,heilte mußt Du keinen Entschluß fassen." ״Ich bin schon entschlossen," rief Julia aufspringend, ״ich nehme den Antrag an." Ueberrascht blickte die Mutter sie an. ״Uebereile dich nicht, Kind." ״Wie könnte ich mich übereilen? Den Charakter des Mannes, den Ihr mir vorschlagt, brauch' ich nicht erst zu prüfen; er gefällt mir nicht übel und übrigens wird einem ein Millionär nicht alle Tage geboten." Frau Wolf fühlte sich durch den Schlußsatz etwas unangenehm berührt. ״Und wenn Grnnwald mm zufälliger Weise kein Millionär wäre?" fragte sie. ״Dann würde ich mich in der That etwas länger besinnen.

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