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Jeschurun · 1865-07-01 · Heft 10 (Juli 1865) · p. 329

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 10 (Juli 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-07-01
Page
329 (sequence 16)
Language
German
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VonS ... 329 hätten Horen dürfen, aber fast wie verabredet ließ man sie allein gewähren. Mitternacht schlug, als man sich endlich trennte. Eine Strecke wett hatte Blank den gleichen Weg mit dem jungen Wolf, dann aber eilte er allein seiner einsamen Wohnung zu. Die Stirn glühte ihm, sein Herz pochte stürmisch. Er befand sich in seltsamer Aufregung voll Freude und doch voll Beklemmung. Wohl schien cs ihm endlich zur Gewißheit geworden, daß seine innige Neigung nicht unerwiedert geblieben, ja er glaubte sogar wahrgenommen zu haben, daß die Eltern lächelnden Blickes dieselbe Bemerkung gemacht, und doch fehlte ihm der Muth, um die Hand des so heißgeliebten Mädchens anzuhalten. In seinem Zimmer angelangt, zündete er Licht an; doch trotz der vorgerückten Stunde schien kein Gedanke an Schlaf ihm zu kommen. Ungestümen Schrittes durchmaß er das Gemach. WaS thun? — Was beginnen? — Er liebte sie doch so heiß, so unaussprechlich; konnte er es denn nicht wagen zur Gattin sie zu begehren? — ״Nein, nein," rief er, ״so ohne Erklärung — es wäre Betrug — Und eine Erklärung? —" Er schüttelte den Kopf, alles Blut schien in's Antlitz ihm getreten. Endlich löschte er das Licht und warf sich auf's Bett; er fühlte sich ermattet und abgespannt, er mußte ruhen; doch der Schlaf sioh ihn. Die Morgenröthe begann bereits das Zimmer zu erhellen und noch kein Auge hatte er geschlossen. Es ward ihm zu enge in dem geschlossenen Raume, er sprang auf und öffnete ein Fenster und mit dürstenden Zügen athmete er die erfrischende Morgenluft ein. — Da schien auch die Sonne aufzutauchen dort unten im Wiesengrund. Majestätisch langsam hob sich der mehr und mehr erglühende Sonnenball und vergoldete mit rosigem Schimmer die ganze herrliche Landschaft, unwillkürlich gedacht der junge Mann der Worte des 19. Psalms ״Die Himmel verkünden die Herrlichkeit Gottes u. s. w." ״O Julia," flüsterte er ״darf nur Dich ich erst mein nennen, dann werde auch ich frohlockend wie ein Held meine Bahn durchlaufen." Julia Wolf war aber auch unstreitig eines der schönsten Mädchen, voller Geist und Leben. Ihre glänzend dunkeln Locken umrahmten ein ungemein liebliches Gcsichtchen, in dem ein paar Augen sunketten, aus denen der ganze jugendsrische Muthwille ihres Tempe-

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