Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-07-01
- Page
- 331 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Bim @ . v 331 Ich -in ja kaum siebzehn Jahre alt, und mein jetziges Leben gefällt mir viel zu gut, als daß ich eS so leichthin andern mochte; aber wie gesagt ein Millionär — " ״In so hohem Ansehen steht bei Dir das Geld?" fiel Wolf sich ins Gespräch mischend ein. Julia erröthete noch mehr. ״Es scheint euch das unangenehm zu sein, aber warum denn eigentlich? — Ich kann ja nicht, wie Du lieber Vater, der Menschheit dienen mit meinem Geist und meinein Wissen, oder mit Erfahrung und Mildthätigkeit ihr nützen, wie Du liebe Mutter; mit meinem Herzen aber möchte ich's gar zu gern. Und wenn ich nun Geld hätte viel Geld, oder Einfluß auf einen Gatten, der viel besitzt, wie viel Thränen konnte ich da nicht trocknen, wie viel Noth und Elend lindern, wie — Erinnerst Du Dich noch liebe Mutter," unterbrach sie sich selbst, ״wie Du im verflösseneu Winter so ungehalten auf mH warst und mich einen Sonderling nanntest, weil ich Dich so dringend bat, mich zu Hause zu lassen, als die Sonntag sang. Ich vermied damals, Dir den Grund meiner Bitte anzugeben, denn ich fürchtete, auch Dir den Genuß des Abends zu stören. Aber es war in jenen Tagen so bitter kalt und die Eintrittspreise so übermäßig hoch; fortwährend mußte ich daran denken, wie viele Tage wohl eine arme Familie sich erwärmen könnte für das Geld, für das ich singen hören sollte. Mir war so weh, ich sah so viel Jammer und konnte doch nicht helfen, nur weil mir das Geld fehlte. — Und als ich Abends im Theater die Triller der Sonntag hörte, schien es mir, als hörte ich in ihnen nur das Aechzen von Hungernden, das Zähneklappern von Frierenden, und während sie die Andern entzückten, schnürten sie mir das Herz zusammen — o wenn ich Geld hätte, viel Geld —" ״Nehmen Sie meine Hand an, Julia," rief Grünwald, der schon vor einigen Augenblicken ins Zimmer getreten, von dem jungen Mädchen in ihrem Eifer aber nicht bemerkt worden war, ״uehmen Sie meine Hand an, und Sie werden mit Gottes Hülfe die Ihre nie leer finden, dem Zuge ihres großmüthigen Herzens zu genügen". Mit gesenktem Blicke und glühendem Antlitz stand Julia vor dem Manne, der sie leidenschaftlich betrachtend, ihr seine Hand darreichte. — Langsam hob sie dann die dunkele« Augen, und als