Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-07-01
- Page
- 328 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Licht- und Schattenbilder- 328! ״Das ist in der That eine Vermessenheit," versetzte Wolf, ״auch in den Zeitungen ward dieser Rede und zwar sehr lobend erwähnt. Und wie sie setzt Charakterfestigkeit darin erblicken wollen, daß der Componist sich nicht zur Taufe entschlossen hat, obgleich nach dieser ihm der Adel versprochen war, während es doch bekannt ist, daß das Testament seines Vaters denjenigen seiner Kinder von der Erb- Hast ausgeschlossen, der je zur Taufe sich bewegen lasse. Daß er das reiche Erbe dem Adel vorgezogen, das will Charakterfestigkeit man nennen, und sind doch mehrere seiner Kinder, mit denen er stets auf freundschaftlichstem Fuße stand, getauft. Was ist denn, den Charakter betreffend, für ein Unterschied, ob man selbst sich taufen läßt, oder die Taufe seinen Kindern gestattet." ״Um Gotteswillen Herr Blank was ist Ihnen? ries Julie erschrocken, ״Sie gleichen ja einer Leiche." ״O nicht doch liebes Fräulein," entgegnete Blank mit Anstrengung lächelnd, ״der Schein des Spirituslämpchens unter der Thee- Maschine fällt wohl auf mein Gesicht und verleiht ihm solch unheimliche Färbung." Bertha und Adolf wechselten einen Blick, der junge Mann schien dies zu bemerken und zwang sich, das ihn augenscheinlich sehr erregende Thema fortzusetzeu. ״Dies Gespräch," begann er, ״erinnert mich an eine Thatsache, die mir jüngst mitgetheilt wurde. Bet einer Vermählung beehrte der Rabbiner, der den Trauungsakt zu vollziehen hatte, den Bräutigam, der dem Militärstande angehorte, mit dem Titel Morenu und aufmerksam gemacht, daß dieser nicht nur vollständig ignorant, sonder» auch nicht ein specicll jüdisches Gebot beobachte, erwiderte der fromme Seelsorger: das ließ sich ja bei seinem Stand nicht anders erwarten; weil er aber trotz dieses Standes nicht zur Taufe geschritten sei, darum gebühre ihm die oben erwähnte Auszeichnung." Eben war Julie mit der Bereitung des Thees zu Ende; man nahm denselben ein und im heitersten gemüthlichsten Tone nahm die Unterhaltung ihren Fortgang. Ohne daß sie gerade beabsichtigt hatten, befanden Blank und Julie sich nebeneinander, und fast unbewußt horten sie auf, an den Gesprächen der Andern sich zu be-!heiligen. Sie hatten sich ja seit mehreren Wochen nicht gesehen und hatten einander doch so viel zu sagen, was zwar Andere auch wohl