Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-07-01
- Page
- 327 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Von ®.. 327 ״Was Frauen doch nicht alles bemerken; ich hielt sein Wesen immer für so frei, so offen." ״Das ist es auch im Allgemeinen. Aber Du hättest nur dabei sein sollen, wie er vor seiner Abreise bei uns war, um Abschied zu nehmen. Du warst nicht zu Hause; aber Julie war gerade bei Mir, und wir befanden uns mit den Kindern im Gartenals Blank UnS aufsuchte. Heiter plaudernd saßen wir in der Laube, die Kinder spielten und sangen nicht weit von uns; da begann eines Mn ithnen ein Liedchen, ein ganz einfaches Matlirdchen. Blank, eben im Begriff, uns etwas Amüsantes zu erzählen, stockte, schien dem Gesänge zu lauschen, sprang über und über erglühend auf und ward dann plötzlich todtenbleich; ich fürchtete, er würde vor unfern Au« gen zusammenbrechen. Doch, als wir erschrocken nach seinem Befin« den fragten, lächelte er, und wollte nichts von seiner Aufregung wissen." Adolf äußerte seine Verwunderung, wollte noch einige Fragen stelle», doch sie hatten Wolfs Wohnung erreicht und traten ein. Die Familie war schon beisammen. Bernhard, Wolf's ältester Sohn, seit mehreren Jahren Compagnon seines Vaters und Gatte einer blendend schönen jungen Frau, Jakob der jüngere Sohn, ein junger Mann voll Geist und Intelligenz, Jurist, und als solcher trotz seiner Jugend schon recht beliebt, obgleich er am Sabbath keine Feder anrührte und in Geschäftsangelegenheiten an diesem Tag auch nicht den unbedeutendsten Rath ertheilte, Julie, Wolf's jüngste Tdchter, sowie der oben erwähnte junge Blank, alle hatten sich schon eingefunden. Auf's herzlichste wurden die Verspäteten von Allen begrüßt, und die unterbrochenen Gespräche wieder ausgenommen. ״Waren Sie auch gegenwärtig bei dem Leichenbegängnisse dtÄ großen jüdischen Componisten?" fragte Frau Wolf den eben von einer Reise Zurückgekchrten. ״Ja wohl," entgegnete Blank, ״und auch die Leichenrede beS jüdischen Predigers, der aus einer entfernten Stadt eigens zur Trauerfeier eingeladen war, habe ich vernommen. Sollten Sie glanben, daß dieser es gewagt hat, den Mann der bekanntlich stit seiner Jugend nie als Jude gelebt, mit dem Gottbegetsterten königlichen Sänger zu vergleichen?"