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Jeschurun · 1865-07-01 · Heft 10 (Juli 1865) · p. 320

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 10 (Juli 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-07-01
Page
320 (sequence 7)
Language
German
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320 Licht- und Schattenbilder. ״Was das nun wieder für Tiraden find! wer ist denn glücklich und wer unglücklich?" ״Ich bin unglücklich weil Sie glücklich sind," war die von einem schweren Seufzer begleitete Antwort. ״Und das gestehst Du mir so offen," spottete Frau Eckert, ״Du bist mir^ ein schöner Freund." ״Ach reden Sie doch nicht von Freundschaft, wenn die heißeste die glühendste —״ ״Nicht weiter!" rief Frau Eckert ernst mit einem Blick auf die Kleine. Der Andere kreuzte die Hände über die Brust und verneigte sich tief. ״Wenn Sie es befehlen, so schweige ich und wenn das Herz auch bricht." ״Du bist ein, loser narrischer Zunge," lachte seine Stiefmutter. Er seufzte und schwieg einige Augenblicke. ״Warum sind Sie denn heute schon so früh in Promenadetoilctte chere marnan?" begann er dann wieder. ״ ״Ich beabsichtige in den Tempel zu gehen; willst Du michbe- . gleiten?" ״In den Tempel?" ״Ja wohl, ich habe es Thusnelda versprochen; ihr Mann ist immer acht Tage lang unwirsch gegen sie, wenn keiner von uns bei seiner Predigt erscheint." Eduard lachte. ״Was Sie für ein sanftes gutes Herz haben belle irrere cherie aber was wird's nützen? mein Schwager ist ui ch nur acht Tage, sondern das ganze Jahr hindurch unwirsch gegen seine Frau, nota bene wenn kein Fremder in der Nähe." ״Arme Thusnelda! doch um so mehr will ich mein Versprechen halten. Nun wie ist's gehst Du mit?" ״Bis zur Tempelthür mit dem größten Vergnügen, aber hinein — die Pönitenz wäre zu groß." Sie gingen. — Es war am Nachmittag desselben Tages; das Wetter, lau und mild, hatte Adolf Eckert und seine Familie hinausgelockt in den schöneu großen Garten der sich hinter seinem Wohnhause befand. Heiter spickten die Kleinen auf den ihnen angewiesenen Spielplätzen, während der Vater mit der Mutter und seiner Schwester in den schattigen Laubgängen lustwandelte. Thusnelda mußte geweint haben, ihre

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