Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-07-01
- Page
- 319 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Von S 819 ״Unsinn, Schätzchen; doch sag' mir nur, wie kommst Du heute auf so sonderbare Fragen?" ״Adolfs Sohn, mein Neffe Bernhard," versetzte die Kleine gravitätisch, ״hat gestern ein Schulbuch hier liegen lassen, und darin steht so etwas von Sabbath heiligen, sich nur." Sie reichte dem Bruder ein israelitisches Religionsbuch; die ״zehn Gebote" waren aufgeschlagen; unwillkürlich überflog sie Eduards Auge. ״Ah mon chere pere," murmelte er vor sich hin, ״mir gegenüber wollen Sie ein göttliches Gebot geltend machen — doch ich folge dir in Allem, Nonsens sagst Du vom vierten Gebot. Nonsens sage ich vom fünf.- ten und warum nicht auch von allen übrigen? — Ah hon jour ma chere helle mere," unterbrach er plötzlich sein Selbstgespräch, auf die eben cintrctende Frau Eckert zu eilend, und ihr mit Inbrunst die Hand küssend. ״Gehen Morgen lieber Eduard," cntgegnctc diese, eine gutmüthige Frau, die nichts sehnlicher wünschte, als alle Glieder ihrer Familie heiter und zufrieden zu sehen. ״Wo ist Dein Vater?" fuhr sie fort. ״Im Comptoir helle mere cherie; aber wie, hat er sich denn nicht bei Ihnen verabschiedet? Der Barbar?" - ״Eduard, Eduard, Du weißt, daß mir eine derartige Sprache sehr mißfällt." ״Verzeihen Sie chere maman," versetzte Eduard die Hand auf's Herz legend, ״aber ich kann mich nicht halten, wenn ich Sie in die: ser Weise vernachlässigt sehe." ״Immer besser," rief Frau Eckert ärgerlich, ״was schwatzt denn der einfältige Junge da von Vernachlässigung. Wohl hat sich dein Vater bei mir verabschiedet, aber ich hörte ihn dann noch so laut ׳ mit Dir und glaubte daher er wäre noch hier. Du hast ihm gewiß wieder Kummer gemacht, Du böser Junge." ״Ach," crwiedcrte Eduard in kläglich sei» sollendem Ton ״macht er mir den» nicht beständig Kummer? — " ״Dein Vater macht Dir Kummer," lachte Frau Eckert, ״nun das ist wirklich drollig." ״Sie wollen mich nicht verstehen," klagte der junge Dandy, ״Ach, der Glückliche weiß nicht wie dem Unglücklichen zu Muthe ist."