Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-07-01
- Page
- 318 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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318 Licht- und Schattenbilder. vergleichen. Hatte doch dieser auch eine schöne junge Sttefmntter, und wie er mannigfache Konflikte mit seinem Vater gehabt. Von nun an redete er sich ein, sterblich verliebt in seine Stiefmutter zu sein, was ihn jedoch nicht hinderte, zehn anderen ebenfalls seine Neigung zuzuschwören; hatte der Jnfant doch auch die Ebol! umarmt. Einen Posa hatte er auch, es war der liederlichste Gesell der sogenannten bessern Kreise; um mehrere Jahre älter als der junge Eckert, weihte er diesen frühzeitig ein in alle Laster des Bonvivant und bevor er noch fein neunzehntes Jahr überschritten, war er ein vollendeter Dandy, vom Scheitel bis zur Sohle; es gab nicht eine noble Passion, die er nicht die seine nannte. Alle Ermahnungen'seines Vaters blieben fruchtlos. Ms war an einem Sabbathmorgen; Eckert hatte eben wieder eine heftige Scene mit dem Sohne gehabt, d. h. der Vater war sich in den bittersten Vorwürfen und Drohungen ergangen, und der Sohn hatte alles mit seinem bei solchen Gelegenheiten gewöhnlichen impertinenten Lächeln angehört, und endlich nur erwidert, er begreife des Vaters Zorn nicht, da er doch nur in allem dessen eigenem Vorbild folge. Diese nicht einmal ganz unwahre Entgegnung hatte den Vater außer sich gebracht. ״Ungerathener Sohn," schrie er, ״weißt Du denn nicht, daß ein göttliches Gebot befiehlt den Vater zu ehrfürchten." Ein höhnisches Lächeln war die einzige Antwort. Es umspielte noch die Lippen des hoffnungsvollen jungen Mannes, als er mit dem Vater, der tiLs Comptoir sich zu begeben im Begriff war, dessen Zimmer verließ, und ir?s Wohnzimmer trat. Die kleine Clara, das einzige Kind der jetzigen Frau Eckerts befand sich hier allein und schien emsig beschäftigt, in einem Buche zu lesen. Sie war ein bildschönes Kind von sieben Jahren und der Abgott ihres Vaters. Aber in seiner heutigen aufgeregten Stimmung hätte er selbst sie beinahe übersehen. Doch die Kleine sprang zu ihm und bot ihm ihr rosiges Mündchen zum Kusse dar; flüchtig berührte er dasselbe mit seinen Lippen und wollte sich entfernen, doch das Kind hielt ihn noch zurück. ״Bitte Papa, sag' mir doch, was heißt das, den Sabbath heiligen?" ״Nonsens Kind," versetzte der Vater und verließ eilig das Zimmer. ״Was heißt das Nonsens Eduard?"!