Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-07-01
- Page
- 317 (sequence 4)
- Language
- German
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Don S,., 317 ihm ganz fremde Gebräuche sah er hier -heilig gehalten, und seine größte Freude war es, wenn die Kinder seines Freundes diesen um Aufklärung über dieselben angtngen. Wolf gab sie gern und faßlich, und fein Hans gewann hiedurch nur um so größer» Reiz für den jungen Eckert. Erröthend klagte dieser endlich dem altern Freunde seine Haltlosigkeit und völlige Unkcnntniß alles Religiösen, und Wolf benutzte nun mit Freuden die Gelegenheit, dem nach Belehrung so heiß sich sehnenden diese zu ertheilen. Die nächste Folge hievon war, daß Adolf Eckert aufhörte, am Familienmahl im Hause seines Vaters Theil zu nehmen, und am Sabbath sich fern vom Comptoir hielt. Ruhig ließ er den Zorn seines Vaters über sich ergehen. Doch sehr bald genügte auch dieses ihm nicht, und um gar keinen Antheil an dem am Sabbath Erworbenen zu haben, beschloß er sich selbstständig zu etablircn. Sein mütterliches Erbtheil setzte ihn hiezu genügend in Stand. Sein Unternehmen glückte; sein Geschäft blühte, und die Welt war nicht wenig erstaunt, an Sabbath und Feiertagen es stets geschlossen zu finden. Seine Abende aber brachte er regelmäßig in Wolfs Familienkreise zu, und so war es nicht auffallend, daß sich zwischen ihm und der eben den! Kindesalter entwachsenen Bertha Wolf die zarteste Neigung entfaltete. Er bat um ihre Hand, sie ward ihm nicht verweigert; nur stellte Wolf die Bedingung, sein künftiger Schwiegersohn müsse sich im Jüdischen gründlich unterrichten lassen. Gern ging dieser hierauf eine und genoß seit damals allabendlich einen mehrstündigen Unterricht bet einem jüdischen Gclehrten. Seit mehr als acht Jahren lebte er nun schon mit feiner Bertha in glücklichster von blühenden Kindern gesegneter Ehe; jenen Unterricht aber hatte er noch nicht aufgegeben. Eduard Eckert, der jüngste Sprößling aus Eckerts erster Ehe, war bei der Vermählung seines Vaters ein vierzehnjähriger Springinsfeld von ausgelassener Wildheit, der dem Vater schon jetzt die ernstesten Sorgen verursachen konnte. Im Anfänge hatte er seine Stiefmutter, durch die denn doch im ganzen Hause eine etwas andcre Ordnung eingeführt ward, mit scheelen Blicken betrachtet. Doch im Alter von ungefähr sechszehn Jahren las er den ״Don Carlos", und dieses Drama erregte so mächtig seine jugendliche Phantasie, daß es seine größte Freude ward, sich mit dem Helden desselben zu