Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-07-01
- Page
- 316 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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316 Licht- und Schattenbilder. Gemahlin sich anSznsohnen, unb durch ihre Vermittelung vom Schwiegervater Zuschußzu erhalten suchen. Schwer gelang'dieses, und dann war auch die endlich erlangte Zulage bei weitem nicht hoch genug, so Ungeheuern Aufwand zu ermöglichen. Dennoch ward die gewohnte Lebensweise fortgesetzt, und Schulden häuften sich auf Schulden — ThuSnelda, Eckerts zweite Tochter, war mit dem uns bereits bekannten Doktor Fuchs verheirathet. Doch dieser, als er bald nach Rosalindens Vermählung die Hand der Jüngern Tochter vom Vater sich erbat, hatte viel größere Schwierigkeiten gefunden, als der adelige Schwiegersohn. Eckert hatte ihre Hand schon halb nnd halb einem Geschäftsfreunde zugesagt. Thusnelda aber hatte ihr jungfräuliches Herz längst dem unwiderstehlichen Doktor geschenkt, schon damals, als er so süße Trostesworte ihr zuzustüstern gewußt. Eckert aber war unerbittlich; er wollte stch mit dem Seelsorger durchaus nicht verbinden, vielleicht auch hatte er über dessen Vergangenheit dieselben Nachrichten erhalten wie früher schon Wolf. Vergebens flehte ThuSmlda und beschwor den Vater auf den Knieen, ihr den geliebten Mann nicht vorzuenthalten. Umsonst; Eckert wollte nichts von ihm wissen. Da eines Tages ward ihm ein zierlich gefaltetes Billet des Herrn Doktor Fuchs übergeben; er öffnete es und erblaßte: wüthend stürzte er ir?s Zimmer seiner Tochter, ״Lies," schrie er, mit vor Zorn bebender Stimme ihr den geöffneten Brief vor Augen haltend, ״ist das wahr? gestehest" Sie versuchte nicht zu leugnen. Die Liebenden hatten zum äußersten Mittel gegriffen, den harten Vater ihrem Wunsche geneigt zu machen. Es hatte gewirkt, ehe vier Wochen verstrichen, war Thusnelda glücklich Frau Doktor Fuchs. Kurz darauf that die junge Frau einen schweren Fall, erhalte die unglücklichsten Folgen haben können, hatte aber nur eine, die ihr Gatte den Umständen nach als glücklichste betrachtete — Adolf Eckert war ein stiller denkender junger Mann, der die Hohlheit des priucipieuloseu Lebens seiner Familie bitter empfand. Bon dem Geschäftsfreunde seines Vaters Abraham Wolf dazu aufgefordert, begann er daS HanS desselben zu freguentiren. Der reine auspruchlose Ton, der in demselben herrschte, zog ihn so mächtig an, daß er bald dort sich heimischer fühlte als bet den Seinen. Manche