Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-07-01
- Page
- 315 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932947-2932958-2949491--09577-2949512- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
f VonS... ' 315 Ein bildschönes aber blutarmes siebzehnjähriges Mädchen beglückte er durch seine schon sehr gealterte Hand. Die Töchter konnte diese neue Verbindung allerdings nicht sehr erfreuen, aber es bestanden in ihrer Familie zu mannigfache Miß- Verhältnisse, als dass sie es hätten auch nur versuchen können, ihren Einfluß gegen dieselbe geltend zu machen. Rosalinde hatte sich kaum vier Wochen nach dem Tode ihrer Mutter aus Verzweiflung über denselben in die Arme eines hübschen adeligen Husarenoffiziers gestürzt, und bei ihm Trost gesucht und gefunden. Der Lieutenant aber, dessen ganzes Vermögen in seiner Gage und seinen Epaulettcs bestand, hoffte durch eine Verbindung mit der reichen Vankicrstochter seinen zerrütteten Verhältnissen wieder auszuhelfen. Papa Eckert hatte freilich anfangs manches dagegen einzuwenden, aber die Offiziersuniform und der Adel übten am Ende ihre Macht auch über den Ftnanzmann aus, und er empfing den ihm von seiner Tochter zngcführten Schwiegersohn mit offenen Armen. Beiderseits dachte man zu tolerant, um in den verschiedenen Confessionen der Verlobten ein Hindcrniß zu erblicken. Daß aber die Braut, die doch den Namen des Gatten führen, seinen Glauben auch zu dem ihren machen sollte, schien sich von selbst zu verstehen. Im Grunde war ihr Glauben auch von je her ein gleicher gewesen; sie glaubten beide an Nichts, als an die Vergnügungen und Lnstbarketten der sog. Welt. Zn den ersten Flitterwochen schien es auch wirklich kein glücksicheres Paar zu, geben; doch diese einmal vorüber, merkte Rosalinde bald, daß ihr Gatte nach wie vor sich Maitressen hielt. Sie wollte ihm Vorwürfe machen, mußte aber vernehmen, daß sie doch froh sein könne, den Namen des hochgeborenen Lieutenants zu tragen, aber nicht wohl verlangen könne, daß dieser um ihretwillen all seinen Vergnügungen entsage. Die junge Frau wußte sich zu revangiren; ihre stolze imposante Schönheit versammelte bald eine Schaar von Anbetern um sie, und diese gewährten ihr reichlichen Ersatz für den Verlust des Einen, dem sie Treue geschworen. — Nur wenige Jahre, und die ganze reiche Mitgift war durch die maßlose Verschwendung beider Gatten j verschleudert. Dem Lieutenant blieb nichts übrig, als mit seiner Frau