Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-06-01
- Page
- 283 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932947-2932957-2949435--09537-2949464- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ion ß... 283 auf, als er ,endlich tm Waggon sich befand und der Zug sich in Pechegung setzte. Nun wähnte er,sich in Sicherheit, denn ehe der Pfarrer seine Flucht gewahren würde, lagen Meilen schon zwischen ihnen. Erfühlte sich schon so ,frei, so leicht. Zwar für die Zukunft hatte er noch Innen Plan gefaßt, ״das wird sich finden, wenn ich nur erst tm AuSfand hin," tröstete er sich mit jugendlichem Vertrauen. — Endlich machte aber auch die Natur ihr Recht geltend, er hatte die ganze Nacht schlaflos und fast in fortwährendem Rennen zugebracht, übermüdct fielen die Augen ihm zu. Mehrere Stunden mußte er geschlafen haben, denn als er erwachte, schien die Sonne warm durch die geöffneten Fenster, und der Zug hielt eben an, um Mittagsrast zu halten. ,Auch Arnold eilte in die Restauration, um sich zu erquicken und neu gestärkt nahm er dann seinen,Platz im Waggon wieder ein — die Stunden flogen rasch dahin. Arnold war versunken in Plänen für die Zukunft. Es.war ein stolzer Gedanke für den vierzehnjährigen Knaben, nun ganz Herr seines Geschickes zu sein. .Seine ehemaligen Glaubensgenossen beabsichtigte er aufzusuchen, zurückkehren wollte er zu dem Glauben, den man ihm geraubt. — Seinen Unterhalt hoffte et leicht in irgend einem Laden oder Gomptoir zu finden, denn er war wohl unterrichtet und für sein Alter hoch gewachsen und kräftig gebaut. So ward's Abend und man,langte am,Grenzort an. .Ein . Beamter des Paßbnreaus trat zum Waggon und forderte den Reisenden die Pässe ab — Arnold glaubte versinken zu müssen; er hatte keinen — hatte nicht einmal daran gedacht, ,daß einer crforderlich sein könnte — was nun beginnen? — Doch es blieb ihm keine Wahl. Schon vor einer Stunde war eine telegraphische Depeschc an die Eisenbahndirektion gelangt, die feine Persönlichkeit deschrieb und aufforderte, ihn festzunehmen, sobald er dort eintreffen würde. Der Pfarrer, sobald er die Flucht des Knaben vernommen, hatte geschworen, mit dem gottlosen Undankbaren nichts mehr zu thun haben, aber zum Consistorinm war er geeilt, hatte dort den Fall berichtet und die Vermuthung ausgesprochen, der unglückselige Knabe wolle der christlichen Kirche treulos werden. DieseMittheilung war nicht erfolglos geblieben; eifrtgst benutzte sie .das geistliche 1s