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Jeschurun · 1865-06-01 · Heft 9 (Juni 1865) · p. 282

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 9 (Juni 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-06-01
Page
282 (sequence 6)
Language
German
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282 Licht- und Schattenbilder. sie thut Dir Noth mein Arnold. Gute Nacht mein MH, Karl wird längst schon schlafen." ' ’” ׳ ״©ute Nacht liebe Mutter, ja ich will gehen — nur noch einen Kuß," und mit stürmischer Zärtlichkeit umschlang er die Frau, die Mutter ihm gewesen und heiße Thränen entströmten seinen Augen. Die Pfarrertn suchte ihn zu beruhigen, und auch er selbst trachtete sich zu^ ermannen. Sie geleitete ihn zu seinem Zimmer. ״Nun schlafe wohl mein Kind und schlafe bald; für heute mußt Du nichts mehr denken." Noch einen Kuß und Arnold war allein — Allein, allein mit der ganzen Schwere erfüllte ihn jetzt schon dies Wort — Sein Stubengefährte lag längst in tiefem Schlafe, ״wann werde auch ich wieder so schlafen können," murmelte er; er hätte laut ausschreien mögen; doch er bezwang sich, gewaltsam drängte er die aufsteige»- den Thränen zurück; sie sollten ihn der Uebcrlegung nicht berauben, denn rasch galt es nun zu Handel», er mußte das Haus verlassen, noch bevor der Pfarrer zur Ruhe sich begab, und, wie er es pflegte, mit eigner Hand das Hansthor verschloß. Eilig aber geräuschlos legte er seine wärmsten Kleider an, band noch einige Wäsche und einen Anzug in ein Tuch und barg alles unter seinen weiten Oberrock. Auf den Fußspitzen schlich er dann hinaus. Die Lampe auf der Hausflur war schon ausgelöscht, aber er kannte den Weg und befand sich bald an der Hausthür. Sie war nur augelehnt, er selbst hatte sie vor seiner Unterredung mit seiner Pflegemutter schon geöffnet, um geräuschlos sein Entweichen zu bewerkstelligen. Nun war er draußen. Gott sei Dank! Er glaubte das Schwerste schon gelungen. Wie ein gescheuchtes Reh rannte er feldeinwärts, ohne sich umzuschauen; nicht nach rechts, nicht nach links, weiter immer weiter ging sein Lauf durch die sternenhelle Nacht — die nächste Eisenbahnstation war sein Ziel, den Frühtrain hoffte er zu erreichen und mit ihm bald die Grenze. Doch wohin dann? — Das wußte er selbst nicht, nur fort wollte er, weit fort — er durste nicht ruhen nicht rasten, so ermüdet er sich auch suhlte, unaufhaltsam mußte er fort, denn sein Weg war weit — doch das Glück schien ihm Hold, er hatte die Station erreicht und noch Zeit, zur Abfahrt ein Billet zu lösen; doch das Billet verschlang fast sein ganzes Kapital, ihn aber kümmerte dies nicht, er hatte frischen Muth und athmete hoch

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