Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-06-01
- Page
- 281 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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281 Von S. .. nicht an, ״Mutter/ flehte er, ״bitte Du den Vater für mich daß er meine Confirmätion verschiebe — ich kann ja nicht — glaube mir, ich kann nicht." ״Unglückliches Kind wie kannst Du so sprechen; wüßtest Du welchen Schmerz Du mir bereitest!" ״Ach Mutter," klagte der Knabe, ״das ist's ja was mich mit am meisten schmerzt, daß ich Dir Schmerz bereite, aber —" ״Arnold, Arnold, wie bist Du so verwandelt, wie hast Du noch vor Kurzem Dich darauf gefreut, das heilige Abendmahl —" ״Nein, nein!" rief Arnold. Eben trat der Pfarrer ein, er hatte die letzten Worte vernommen und errieth leicht um was es sich handelte. Er mischte sich in's Gespräch; es kam zu einem fürchterlichen Auftritt zwischen ihm und dem unglücklichen Knaben, er ließ sich zu Ausdrücken wie ״gottlose Judenbrut, undankbares Geschlecht" Hinreißen, und reizte hierdurch den Knaben nur noch mehr; endlich vergaß er sich so sehr, daß es trotz des Flehens seiner Gattin doch wiederum zu thätliche» Miß- Handlungen kam. Außer sich vor Aufregung und Schmerz, riß sich Arnold endlich los. Unwiderruflich stand aber auch jetzt sein Vorhaben. Dem Pflegevater vermied er weiter zu begegnen, aber die Mutter suchte er noch allein zu treffen; es gelang, ״Mutter", bat er unter Thraneu, ״hältst Du mich denn auch für undankbar? — » sage, daß Du es nicht thust. Was wäre ich für ein Mensch, wollte ich undankbar sein gegen Dich? mein DaNkgefühl gegen Dich kann nur mit meinem Leben enden." ״Nein," entgegnete sie mit nassen Augen ihn betrachtend, ״für undankbar halte ich Dich nicht mein armes Kind; aber verirrt bist Du, o sehr. Möge Gott recht bald auf den rechten Weg Dich wieder leiten." ״O möge Er's," stimmte der Knabe bei und blickte flehend gen Himmel, dann ergriff er der Pfarrerin Hand und preßte sie mit Jnnbrunst an sein Herz. ״Dank Mutter Dank, daß Du nicht für undankbar mich hältst, o glaube doch nie, daß ich's bin. Willst Du mich heute nicht küssen?" fügte er leise bittend hinzu. Liebevoll drückte die Mutter ihre Lippen auf seine Stirn. ״Nun aber geh' zur Ruhe,