Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-06-01
- Page
- 280 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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280 Licht- und Schattenbilder. wäre ihm, wie glücklich er, vermochte er die jüngsten Wochen ans seinem Gedächtniß zu streichen; doch wie kann er's? —Mitternacht ist längst vorüber und noch wälzt er schlaflos in seinem Bette sich; mit weit offenem Auge ins Dunkle starrend. Der Schlaf flicht ihn, denn er vermag nicht zu vergessen; er denkt und überdenkt alles, was er im Tage erlebt und gehört und vor seinem inneren Auge zieht vorüber sein ganzes Leben, so weit er's kennt. — Wie war er so froh so glücklich stets gewesen; mit welch gläubiger Andacht hatte er den Sprüchen und Legenden gelauscht; wie stolz hatte er als kleines Kind sich gefühlt, wenn die Mutter ihm von den Worten sprach ״lasset die Kindlein zu mir kommen, denn ihnen ist daS Himmelreich." — ״Wohl," flüsterte er setzt, und wie Fieber glüht es ihm in den Adern, ״nur die Kindlein sollten zu ihm kommen,-- — Aber ich bin kein Kind mehr!" rief er trotzig sich aufrichtend, ״und muß ich denn Christ sein?" — Ja wäre ich als solcher geboren, aber als Juden hat er mich geschaffen und wer gab meinem Vater denn ein Recht, einen Christen aus mir zu machen? — und muß ich einer bleiben? —״ So sann er fort und fort bis endlich doch der Schlaf ihn überwältigte. Wochen »ergingen. Arnold befolgte Jakobs Rath; mit Eifer las er die Bibel, und fast täglich gelang es ihm, Gelegenheit zu finden, mit seinem jüdischen Freunde das Gelesene zu durchsprechen. Unter seiner Leitung lernte er die Religion kennen, die man ihm geraubt, und innige glühende Liebe entbrannte für sie in seinem Herzen. Ein Entschluß begann in ihm zu reifen, und je mehr er reifte, desto mehr schwand das krankhafte Aussehen, das der nagende Zweiscl ihm verliehen. Froh betrachtete ihn die Mutter; kopfschüttelnd der Vater. — Eine Entschlossenheit, eine Energie sprach plötzlich aus seinem ganzen Wesen, wie man sie vor dem nie an ihm wahrgenommen. Glaubenssachen aber vermied er zu erwähnen; nur einmal hatte er's versucht, den Pflegevater zu erweichen, war aber schroff von diesem abgewiesen worden. Der Vorabend des zur Confirmation bestimmte» Tages war gekommen, die Mutter trat zu ihm und wollte ihm den neuen zur morgigen Feier bestimmten Anzug übergeben; er aber rührte ihn