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Jeschurun · 1865-06-01 · Heft 9 (Juni 1865) · p. 279

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 9 (Juni 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-06-01
Page
279 (sequence 3)
Language
German
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279 Von S... Gefühle, daß sein Vater ohne seine Zustimmung über seinen Glauden verfügt hat; darum will er jetzt trotzen und eben deßhalb glaubte auch ich ihm Trotz bieten zu müssen." ״Ich fürchte, das ist gefehlt und halte cs doch immer noch für besser, ihn nur zu überreden, nicht aber ihn zu zwingen/? Beide schwiegen eine Zeit lang. ״Ich kann meine Ansicht doch nicht ansgcben," Hub dann der Pfarrer wieder a», ״ist er einmal consirmirt, hat er mit Bewußtsein sein Glaubensbekenntniß abgelegt, so wird er mehr verpflichtet sich fühlen, unserer heiligen Lehre treu zu bleiben, während mir scheint, als ob durch die Taufe, die ohne sein Wissen an ihm vollzogen, er moralisch sich nicht gebunden hält." ״Arnold hat doch einen hohen Sinn —" ״Wie sollte er nicht," entgegnete ihr Gatte sich in die Brust werfend, ״der menschliche Geist gleicht dem Dunste; wie dieser in trüber Atmosphäre nur wenig über den Boden sich hebt, die Lnft mit schädlicher Feuchtigkeit füllet, während in reiner Luft er frei emporsteigt, zur Wolke wird, der dürstenden Erde befruchtender Segen: so auch jener; in trüber unlauterer Umgebung wird selbst der Gottesgeist des Menschen nur selten der Erde sich entheben, nicht selten derselben zum Fluch; doch in reiner Sphäre schwingt er leicht sich zum Aether, wird sich und der Mitwelt ein Segen; und in welch lauterer Atmosphäre konnte Arnold geathmet haben, als in der unseren?" ״Wohl war, indessen —“ Sie konnte nicht weiter reden. Die Thür öffnete sich, und der so eben Besprochene trat ein. Langsamen Sckrittes, den Blick zu Boden gesenkt, näherte Arnold sich seinen Pflegeelsern; schüchtern ergriff er des Vaters Hand und führte sie an die Lippen, ״ich habe in ungebührlichem Ton zu Dir gesprochen, vergieb mir Vater." Freudig erregt legte dieser die Hand aus des Knaben Haupt, ״es genügt mir, daß mein Arnold sein Unrecht erkannt hat, wir wollen Alles vergeben und vergessen —'׳ Vergeben und vergessen, so oft vernimmt man diese Worte zusammen als wären sie eins, und doch, wie wenig sind sic's. Ich will vergeben, wie leicht für den reinen Menschen; ich will vergessen, wie schwer, ja wie unmöglich; kann denn absichtlich Unabsichtliches ich üben? — Wohl Ähnlichst wünschte der Pfarrer Arnold möge Alles vergessen, vielleicht auch wünschte dieser es selbst. Wie wohl

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