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Jeschurun · 1865-06-01 · Heft 9 (Juni 1865) · p. 278

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 9 (Juni 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-06-01
Page
278 (sequence 2)
Language
German
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278 Licht- und Schattenbilder. ״Sei ruhig Liebe," bat der Pfarrer, ״kein Unglück ist ihm zugestoßen, in dem Sinne wie Du es eben nimmst. Doch —" Und nun theilte er ihr seine ganze Unterredung mit ihrem Pflegesohne, mit. ״Ach Gott!" klagte die Pfarrerin, ״mir hat es damals gleich geahnt, daß jene Mittheilung ihn unglücklich machen werde; warum hast Du es ihm auch sagen muffen, und gerade jetzt." ״Ich habe mich ja genug dagegen gesträubt; aber sein Vater bestand darauf, was konnte ich machen? —" ״Und daß Du ihn geschlagen, das ist noch das Aergste." ״Das bedauere auch ich von Herzen, aber ich konnte mich nicht halten; es war zu arg." ״Ja, aber ihn zu schlagen — er ist so stolz —" ״Ach, glaube mir der Schlag hat die Sache nicht ärger gemacht. Hat er mir doch schon vorher bekannt, die Drachensaat des Unglaubens wuchere in seiner Brust." ״Meiner Ansicht nach,"'nahm nach einigen Augenblicken Schweigens die Pfarrertn das Wort, ״wäre es das Beste, Du gäbest nach und verschöbest die Confirmation bis auf's kommende Jahr. Zn einem Jahr lenkt man ihn ja leicht wieder auf den rechten Weg — nur keine Strenge, sondern wie Taffo sagt «081 all* egro fanciul porgiamo aspersi di soave licor gli orli del vaso: Succhi amari iagaaaato intaato ei beve E dall’ iagaaao suo vita riceve. Und warum ihn denn jetzt zu etwas zwingen, was er in kurzem sreiwiütg und gern thun wird." ״Dem stimme ich nicht bei," entgegnete kopfschüttelnd ihr Gatte, ״Tempora mutaatur —" ״Jetzt habe ich noch die Macht, ihn zu zwingen; ob ich sie nach einem Jahre auch noch habe, wer weiß? — Glaube macht seltg, das klingt wohl so leicht, und ist doch oft gar schwer. Unsere Religion ist eine Religion, die mit der Muttermilch eingesogen werden sollte; ich bekenne Dir offen ich sah noch keinen Juden, der aus Ueberzeugung Christ geworden, bet allen, geschah es nur um eines irdischen Vortheils willen, und ein solcher vermochte Arnold nicht zu reizen. Der Knabe ist entsetzlich stolz; ich sehe es klar, alle seine Zweifel entspringen nur aus dem seinen Stolz verletzenden

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