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Jeschurun · 1865-05-01 · Heft 8 (Mai 1865) · p. 261

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 8 (Mai 1865)
Article
Einige Andeutungen über die Benutzung der ersten Lebensjahre für die Erziehung
Date
1865-05-01
Page
261 (sequence 17)
Language
German
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Benutzung der ersten Lebensjahre für die Erziehung. sere Kinder sehen uns nur gebieten — und sollen doch von uns gehorchen lernen! Glücklich tritt da wahrhaft jüdischen Eltern das jüdische Leben hülsreich zur Seite. Zst doch das ganze jüdische Leben durchwebt von Merksteinen eines freien fröhliche» Gehorsams. Sind doch die jüdischen Institutionen nichts als Lehrmeister dieser Kardinaltugcnd aller Tugenden. Im jüdischen Gesetze sieht das Kind Vater und Mutter der Eltern, und der freie, fröhliche Gehorsam, den eS die Eltern dem ״Erlaubt" und ״Unerlaubt" dieses höher» Diktates in allen Fugen des täglichen Lebens frei und fröhlich zollen sieht, mag ihm wohl als begeisterndes Vorbild auch dieser Mustertugend aller Tugenden leuchtend voranwandeln. Aber auch außer diesem Kreise wird uns die pädagogische Weisheit lehren, gebietend und verbietend selber unfern Kindern nur gehorchend zu erscheinen. An der Art unseres Gebietens und Verbictens, und an der Freudigkeit, mit welcher wir ihnen sonst in allem Zuzulassenden Freiheit und Selbstbestimmung gewähren, werden sie es leicht herausfühlen, daß unsere Gebote und Verbote nicht ein Diktat der Laune, der Herrschsucht, des Eigensinnes seien, sondern wir selbst im Gebieten und Verbieten nur dem Diktate einer höher» Vernunft solgen und nur gebieten und versagen, was zu erlassen oder zu gestatten uns selber die Pflicht verbietet. Nicht aber unsere großen, unsere kleinen Versündigungen gegen das Sittengesetz sind für unsere Kinder die gefährlichsten. Wenn eine ungeschickt zerbrochene Tasse, ein in unvorsichtigem Spiel zerbrochenes Glas, zerrissenes Kleid, uns zu größerer Entrüstung hinreißt als eine dem Schwesterchen versagte Gefälligkeit, ein dem Brüderchen rächend versetzter Schlag, eine verdrossen erfüllte Pflicht, oder gar ein den'Armen verspottendes Wort, eine an den Dienstboten herrisch gerichtete Forderung, ein die Wahrheit umgehendes oder gur entstellendes Wort: so geben wir unbewußt unseren Jüngern in der sittlichen Kunst das Beispiel, wie doch im Grunde die sittlichen Werthe bei uns selber in keinem allzuhoheu Kurse stehen müssen, da sie selbst von dem vergänglichen Werthe irgend einer zerbrochenen Ntppsachc weit übertroffen werden. Ueberhaupt wenn in dem Kreise, in welchem unsere Kinder aufwachsen, die Angelegenheit des Putzes, der Tafel und des Besitzes eine viel größere Beachtung finden, mit viel größerer Wichtigkeit besprochen werden, 17

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