Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1865)
- Article
- Einige Andeutungen über die Benutzung der ersten Lebensjahre für die Erziehung
- Date
- 1865-05-01
- Page
- 260 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932947-2932956-2949391--09498-2949416- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
260 Einige Andeutungen über die eigenen, inneren und äußeren Leben erst jeden Fehler, jede Schwäche jedes Unwahre, Unedle, alles an Unwahres und Unedles Glänzende zu löschen, auf daß ihr Kind, wenn es zum Bewußtsein erwacht, in Eltern-Wort und Handlung nur den reinen Spiegel des Nachahmungswmdigsten erblicke. Die Liebe zu unfern Kindern ist ja sonst ein so allmächtiger Zauber, der uns jedes Opfer leicht macht; die rechte Liebe zu unfern Kindern wird uns auch Fehler besiegen und tilgen helfen, an deren Ueberwindnng wir bis dahin Jahrelang vergebens gearbeitet. In anderen Gebieten mag ׳ der Spruch eine Wahrheit enthalten äooeuäo.äisoimus, lehrend lernen wir. Für die Unterweisung unserer Kinder in'der Kunst der Sittlichkeit muß aber die Mahnung vor Allcm heißen: lernen wir um zu lehren, suchen wir zuerst Meisterschuft in der Kunst, der wir unsere Kinder als treue Junger zuführeu wollen. Dann wird jener immerhin völlig wahre Spruch auch hier seine Kraft nicht verlieren^ wir werden dann'auch lehrend lerneu, werden jedes Wort der Lehre und-Mahnung zuerst an uns selbst gerichtet sein lassen, werden mit unfern Kindern und um unserer Kinder willen fortschreiten und ihnen zuerst überall voran die Höhen ersteigen, die .sie an unserer Hand erklimmen lernen sollen. Warum wird es oft den besten Eltern so schwer ihre Kinder zu der Kardinaltugend aller Tugenden, zum freien fröhlichen Ge- Horsäm 'zu gewöhnen?hVielleicht aus. demselben Grunde, den einmal ein mir befreundeter "geistreicher. Pole, einem russischen Würdenträger als Erklärung der Erscheinung ergab, daß die Tugend der Dankbarkeit so selten unter Menschen zu finden sei. Dieselben Creaturen, die ihm ׳ihr ganzes Glück zu danken hatten, hatten, ihn ge- Ezt,'und er klagte bitter über den Undank, den er zu kosten bekommen. ״Ercellenz," erwiederte mein Freund, ״alle Tugenden hat der' Mensch von seinem Schöpfer. Sie sind alle nichts als schwacher Abglanz seiner unendliche!! Vollkommenheit. Eine Tugend konnte der Schöpfer den! Menschen aus sich nicht geben, weil Er. in seiner Erbnbenheit sie selbst nie besitzen kann, und das ist eben die Dankbarkeit. Gott kann nie dem Menschen Dank schulden." So ist auch Gehorsam vielleicht die einzige Tugend, die den Mlbm; - mte. in lebendigem Beispiel der -Eltern entgegeutritt. Un-