Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1865)
- Article
- Einige Andeutungen über die Benutzung der ersten Lebensjahre für die Erziehung
- Date
- 1865-05-01
- Page
- 258 (sequence 14)
- Language
- German
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258 Einige Andeutungen über die Heiter und freudig entfaltet sich dann Geist und Gemüth detneS Kindes unter deinen Händen. Kaum wirst du dann in den eigcntltchen Jahren der Erziehung eigentlich zu gebieten und verbteten haben. Von selbst schaut die Psyche deines Kindes zu dir harrcnd auf, lauscht deines Winkes, um zu wissen was zu thun und zu lassen, und׳ folgt dir mit freiem, willigen Gehorsam den Pfad hinan, der es zur Hohe der sittlichen Kunst geleitet. Allein in gleich hohem Grade sollten die ersten Lebensjahre unserer Kinder, sollte insbesondere daS erste Lebensjahr unseres Erstgeborenen eine Zeit der ernstesten Vorbereitung für uns selbst, die einstigen Erzieher, sein. Unser Ziel ist ja ein Können, kein bloßes Wissen, Bravscin eine Kunst, keine Kenntniß, und zur möglichst vollendeten Ausübung dieser sittlichen Kunst sollen und wollen wir unsere Kinder heranbilden. — Wohlan denn, Keiner lehrt eine Kunst, die er nicht selbst versteht, die nicht der Schüler nicht aus den Worten, sondern aus der möglichst vollendeten, vor seinen Augen geschehenen Ausübung des Lehrmeisters zu erschauen vermag. Ist der Lehrer ein Stümper wird der Schüler kein Meister. Was der Lehrer nicht kann wird der Schüler gewiß nicht können, und die Fehler, die dem Lehrer in der Ausübung der von ihm zu lehrenden Kunst anhaften, werden im Schüler nur eine traurige Vermehrung und Verewigung finden. Das, und Nichts anderes sagen wir unS in Beziehung zu jeglicher Kunst und geben nirgends unser Kind bet einem Pfuscher in die Lehre — und in der sittlichen Kunst, dieser schwersten und wichtigsten aller Künste, wollten wir es anders halten, wollten wir uns der Täuschung hingcben, unsere von uns auszubildenden Kinder dürften durch uns Meister in einer Kunst werden, in welcher wir selber nicht über das Stümpern hinauskämen; sollten das Register aller der Tugenden und sittlichen Fertigketten, die wir an unfern Kindern zur Vollendung ausbilden möchten, nicht durchgehen und zuerst uns selber geloben, mit dem Ausgebot aller unserer Kraft dahin zu arbeiten in allem diesen es selbst zur möglichsten Meisterschaft zu bringen, damit wir unseren Kunstjünger« zeigen können, wie man die Kunst übe, die sie von uns erlernen sollen — sollten vor Allem die häßlichen Fehler und Unlugenden, die wir von unsern Kindern nicht werden dulden wollen, nicht selbst erst in uns selbst aus unsern Anschauungen und Gefin-