Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1865-05-01 · Heft 8 (Mai 1865) · p. 257

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 8 (Mai 1865)
Article
Einige Andeutungen über die Benutzung der ersten Lebensjahre für die Erziehung
Date
1865-05-01
Page
257 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2932754-2932947-2932956-2949391--09495-2949413
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

251 Benutzung der vrDn Lebensjahre für die Erziehung. wird doch, so weit unserd ^Erfahrung reicht, gegen dieses erste Element einer jeden Heranbildung zu einer Kunst eben in dem Gebiete der sittlichen Kunst gesündM Es werden die vorbereitenden Uebungen verabsäumt, ja es werden systematisch Fehler eingeübt, an deren Ueberwindung und Entfernung die späteren Versuche der Heranbildüng dann fast völlig scheitern. Dürfen wir unsere kleine Weisheit für diese die Erziehung vorbereitenden frühesten Lebensjahre in einige wenige Sätze zusammenfassen, so würden sie lauten: Uebe und gewöhne dein Kind von dem ersten Lebensjahre an einen vernünftigen Gehorsam. Lasse es bereits früh so selten als möglich, und fortschreitend immer weniger irgend Etwas durch Ungeduld und Heftigkeit erlangen, was du ihm bereits als ungehörig oder schädlich versagt. Uebe dich daher die Zeichen seiner Ungeduld und Heftigkeit, sein Schreien, gelassen zu ertragen, damit du nie aus selbstsüchtiger Rücksicht für deine Ruhe Etwas bewilligest, was du aus liebender Rücksicht für dein Kind versagen würdest. Sei aber darum vor Allem vernünftig, vorsichtig und sparsam im Gebieten und Versagen. Gebiete nie etwas Ueberflüssiges oder Gleichgültiges. Versage nie etwas Unschädliches und Unschuldiges. Was du einmal geboten, muß erfüllt, vor. Allem, was du einmal versagt, darf nie, — nie, auch Einmal ist für alle Zukunft viel zü viel — durch Quälen und Lästigwerden abgerungen werdew; darmü sei vor Allem vorsichtig , mit deinem : Nein! Gewähre Deinem Kinde Alles, was du ihm, ohne seiner leiblichen oder sittlichen Wohlfahrt zu nahe zu treten, gewähren kannst; gebiete oder verbiete nie etwas aus Laune oder Mißmuts). Gebiete nichts, was du hinterdrein erlassen, versage nichts, was du hinterdrein gewähren wirst, das ist die Methode des sittlichen A-B-C, das du mit deinem Kinde zu studiren nicht früh genug beginnen kannst. Eine verständige Beachtung dieser einfachen Grundsätze schon in den ersten Lebensjahren deines Kindes wird es früh an Unterordnung seiner verlangenden und widerstrebenden Kräfte unter ein höheres Diktat übend gewöhnen, und in ihm gerade diejenige Kraft bereits zu relativer Fertigkeit vorbildend führen, die das ganze Geschäst der Heranbildung zur sittlichen Kunst so wesentlich bedingt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.