Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1865)
- Article
- Einige Andeutungen über die Benutzung der ersten Lebensjahre für die Erziehung
- Date
- 1865-05-01
- Page
- 253 (sequence 9)
- Language
- German
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Benutzung der ersten Lebensjahre für die Erziehung. 253 ihrem Wertste erkannt zu werben und weder im Leben noch in der Ertüchtigung zum Leben als solche die gebührende Achtung und bewundernde Beachtung zu finden. Für die Schule der sittlichen Kunst ist es nicht.gut, daß in der Gesellschaft Beschränktheit und Unbeholfenheit weniger Nachsicht als Schlauheit und heillose Gewandtheit sinden, daß es gefährlicher ist eine Dummheit als ein Unrecht zu begehen, daß eine viel größere Empfindlichkeit für Sprachfehler und Kenntuißmangel als für sittliche Fehler und sittliche Mängel verbreitet ist, daß ein künstlich angestrebter und glücklich erreichter Erfolg einen Schleier wirft über die sittliche Verworfenheit des Weges dahin, daß der Virtuosität des Genies in jeglicher Kunst von vorn herein ein Freibrief für das trostloseste Stümperbleiben in der menschlichen Kunst der Sittlichkeit ertheilt, daß jeglicher Kunst Ruhmeskränze, der Rechtschaffenheit jedoch kaum rin Vnlcheu öffentlichen Gedächtnisses zu blühen scheint — und dock ist es leichter auf schwankendem Seil über den tosenden Niagara hinanzusteigen, als auf schmalem Pfade der Pflicht den einfachsten Lebensweg ohne Straucheln zu vollenden, und doch hat wiederum die alte Weisheit Recht, daß es leichter sei eine Welt zu erobern, als im Augenblicke einer Versuchung sich selbst zu bezwingen. Es ist dies Alles für die Zöglinge der sittlichen Kunst nicht gut, weil es ihr Urtheil verwirrt und ihnen die ersten Elemente ihrer Kunst nach den Anschauungen der Welt als falsch erscheinen lassen muß.. Ist gleichwohl brav sein eine Kunst, und wollen wir unsere Kinder lieber in allem Anderen als in ihr Stümper sein lassen, so werden unsere Kinder zu einer Meisterschaft in der sittlichen Kunst nur auf einem Wege gelangen können, der demjenigen ähnlich ist, der zur Erwerbung einer Meisterschaft in jedem anderen Gebiete führt. Es wird bekanntlich kein Meister geboren, vielmehr Uebung macht den. Meister. Diese Sätze der populärsten Weisheit finden ihre volle Anwendung in dem Gebiete der sittlichen Kunst. Auch hier wird kein Meister geboren, auch hier treten wir Alle nur mit Anlagen und Fähigkeiten in die Welt, und nur den Vorzug hat die Kunstschule der Sittlichkeit/ daß sie die Anlage und Fähigkeit selbst, zur Meisterschaft bei jedem wertenden Menschen voraussetzen kann. Sich sittlich frei bestimmen zu können, diese Fähigkeit ist unzertrenn-