Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1865)
- Article
- Einige Andeutungen über die Benutzung der ersten Lebensjahre für die Erziehung
- Date
- 1865-05-01
- Page
- 252 (sequence 8)
- Language
- German
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252 Einige Andeutungen über die ihn zu einem braven Manne zu erziehen. Jede erlangte Kenntniß und A rtigkeit erfreut Geist und Sinn, erhöht das Selbstbewußtsein des Fortschreitenden, und einmal erlangt, findet sie wenig Gegensatzliches im Menschen, um ihm nicht für immer zu eigen zu bleiben. Das winkende Ziel auch nur relativer Meisterschaft im Wissen und Können hat für jeden gesund gearteten Menschen-einen lockenden Reiz. Von dem Arbeiter, der geschickt sein Holzpensum zu gleichen Theilen gespalten und in geordneten Haufen geschichtet, bis zu dem Architekten, der das Collosseum in Rom erbaut, von dem einfachen Buchhalter, der seine Tages- oder Jahresrechnung zum reinen stimwenden Abschluß gebracht, bis zum Arago des feinsten mathematischen Calculs, blickt jeder mit Wohlgefallen auf sein vollendetes Werk; denn es freut sich der menschliche Geist einer jeden von ihm vollendeten Schöpfung und die Anerkennung, die der ״Geschickte" auf jeder Stufe und in jedem Kreise von seinen Mitmenschen findet, ist ein wohlthuender Lohn, dessen Reizen sich Keiner verschließt. Die sittliche Kunst fordert aber eben eine Fertigkeit in heiterer Erfüllung des Unangenehmen, in heitrem Unterlassen des Süßen. Sie wird auch nie ein für allemal erlangt; bei jeder neuen Gelegenheit foedert sie stets eine erneute Energie des sittlichen Wollens. Darf ja keine, auch die jetzt hindernd entgcgenstehende, und nur jetzt und hier zum Schweigen zu bringende Anlage völlig gebrochen und unterdrückt werden; kann sie ja vielleicht schon im nächsten Augenblicke zur entsprechendsten Verwendung und Verwerthung berufen sein. Die sittliche Kunst darf daher nie schlummern, kann nie sorglos einer bereits errungenen Stufe der Fertigkeit vertrauen, hat selten eine Vollendung vor sich, ist nie ihrer Zukunft sicher und — entbehrt des lockenden -Reizes der Ankennung mitstrebender Genossen. Gerade sie, die hehrste und höchste Kunst, feiert ihre höchsten Siege im Stillen und eben ihre größten Meister wandeln oft, weil in unscheinbarem Gewände und in unbeachteter Stellung, unbekannt, ja oft von den gedankenlosen Mitwallern verkannt und verachtet über die Erde. Glücklicherweise kann sie eines solchen Spornes entrathen, ja gehört ein heiteres Verzichten auf Anerkennung von vorn herein wesentlich zu ihrem schönsten Pensum. e Allein für die Gewinnung einer größeren Jüngcrschaar muß sie es bedauern, nicht mit größerer Entschiedenheit als Kunst in