Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1865)
- Article
- Einige Andeutungen über die Benutzung der ersten Lebensjahre für die Erziehung
- Date
- 1865-05-01
- Page
- 251 (sequence 7)
- Language
- German
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Benutzung der ersten Lebensjahre für die Erziehung. 251 Alles aufregt und hinreißt, wehe ihm auch wenn er Allem gelassen mit zusehen und ihm Alles gleichgtltig sein wird. Wehe, wenn er in blähendem Stolze sein Zch nur kennen und wehe auch, wenn er nie in edlem Selbstbewußtsein sich aufzurichten wissen wird. Wehe ihm, wenn er ohne Wahl Allem seine Sympathien zuwendet und wehe ihm auch, wen» er Nichts seiner Liebe werth erachtet. Wehe, wenn seine Festigkeit zu Starrsinn gefrieret und wehe, wenn ihn jeder Einfluß gefügig findet. Wehe, wenn ihn der Rausch der Sinnengenüffe zu Grabe trägt und weh ihm auch, wenn er selbst den reinen Blüthen irdischen Daseins den Rücken wendet. Sittlich, und gottlob auch glücklich nur dann, wenn die jetzt in andämmerndem Bewußtsein noch verhüllte Psyche einst, zum Manne erstanden, die leiseste, einer Unschuld zugefügte Unbill bis zur Entrüstung empört, und sie dabei gelassen selbst das schreiendste Unrecht erduldet, wenn sie dem schamlose» Ucbermuth mit dem Stolze der Menschenwürde begegnet, und zugleich vor dem Lächeln eines Kindes in Demuth sich beugt, mit dem hingehendsten Eifer sich für alles Edle begeistert und mit gründlichstem Widerwillen alles Gemeine und Niedrige hasst, fest wie ein Fels und hart wie Granit ist, wo die Lüge und Leidenschüft lockt und biegsam wie Stahl und leitsam wie ein Kind ist, wenn Wahrheit und Tugend zu ihr spricht, den Becher der Woltust unempfindlich von sich weist und in den reinen, sittlich verklärten irdischen Freuden schon den Himmel auf Erden genießt. Und da wäre es nicht eine Kunst, ja der Künste höchste nicht, nicht nur in den mannigfachsten Momenten des beziehungsreichcn Lebens überall und immer das richtige Maß und die Gränze zu erkennen, wo das Gute und Schlechte sich scheidet, sondern auch die Klaviatur deS regtsterreichen Scclenvcrmögens also mit geübter Meisterschaft zu beherrschen, daß jedem gegenwärtigen Momente immer nur der Eine, richtige Ton, und nur der Eine, reine Akkord begegne — und alle anderen unter dem Meisterwillen gebannt verstummen und schweigen? Es ist wahrlich leicht einzusehen, warum in irgend einer geistigen oder technischen Fertigkeit die Meisterschaft zu erringen viel leichter ist, als in dieser sittlichen Kunst auch nur annähernd kein Stümper zu bleiben, und wir daher mit viel größerer Zuversicht des Gelinqcns uns Vorsitzen können, unfern angehenden Menschen zum Meister in irgend einer Wissenschaft oder Kunst heranzubilden, als