Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1865)
- Article
- Einige Andeutungen über die Benutzung der ersten Lebensjahre für die Erziehung
- Date
- 1865-05-01
- Page
- 250 (sequence 6)
- Language
- German
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250 Einige Andeutungen über die vollkommen zur Verwirklichung kommt. Alle Kinder gelten ihr daher hinsichtlich der geistigen nnd sittlichen Würdigung völlig gleich. An die Wiege des Bettlers wie des Prinzen und auch an die Wiege des Verbrecherkindes weist sie uns mit denselben Hoffnungen und Ansprüchen. Alle sollen sie die nach ihren Anlagen und Fähigkeiten möglich höchste geistige Erkcnntniß erlangen, alle können sie die absolut höchste sittliche Menschenvollendung erreichen, und nur die sittliche Stufe gilt ihr als Bedingung des Menschenwerthes. Nicht was der Mensch aus Gottes Händen durch Geburt und Schicksal empfängt, sondern was er mit allein Dem und in allem Dem aus sich macht, wie er mit allem Dem nnd in allem Dem das sittlich Gute und nur das sittlich Gute verwirklicht und anstrebt, das weist ihm Rang und Würdigkeit in dem Ordenskapitel an, das der König aller Könige in seinem Haushalte hält. Wenn ein Mensch wird, lehrt diese alte Weisheit, so tritt der Genius des Menschenwerdens vor Gottes Thron mit der Frage hin: diesem Menschenkeim, was soll ihm werden? Soll er stark oder schwach, klug oder beschränkt, reich oder arm er werden? ״gut oder bös" jedoch fragt er nicht; denn Alles ist aus Gottes Händen, nur nicht die Gottesfurcht. Betrachten wir denn den Säugling im Lichte dieser alten Weisheit. Welch' eine Mannigfaltigkeit von Kräften nnd Fähigkeiten, Anlagen und Trieben, Neigungen und Bestrebungen schlummern in diesem noch so sichtbar hüpfenden Gehirn, in diesem noch so rasch pulsirendcn Herzen! Nicht eine Einzige, nicht Eine von allen diesen bereits im Keime gesäeten Lebensrichtungen an sich schlecht, auch nicht eine Einzige bereits an sich gut. Jede kann eine Saat des Lebens und des Heiles, jede eine Saat des Fluches und deS Unterganges werden, je nachdem der kleine Herrscher, der ebenfalls in dieser Menschenknospe bereits schlummert, über seine Vasallen, die sie von der sinnlichsten Tiefe bis hinan zur geistigsten Höhe alle sind, gebieten und sie in seinem Reiche verwenden wird. Nicht der Zorn noch die Gelassenheit, nicht der Stolz noch die Demuth, nicht der Eifer noch die Kälte, nicht die Liebe noch der Haß, selbst nicht der Eigensinn und nicht die Fügsamkeit, oder wie die Gegensätze alle heißen mögen, zwischen denen der Menschencharakter oscillirend schwankt, sind an sich gut oder bös. Wehe ihm, wenn ihn einst