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Jeschurun · 1865-05-01 · Heft 8 (Mai 1865) · p. 249

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 8 (Mai 1865)
Article
Einige Andeutungen über die Benutzung der ersten Lebensjahre für die Erziehung
Date
1865-05-01
Page
249 (sequence 5)
Language
German
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Benutzung der ersten Lebensjahre für die. Erziehung. 249 das Ideal der Sittlichkeit, das wir hier gern unter dem populären, Namen ״Brav sein" fassen, weil eben dies Ideal nicht zu den Idealen geworfen werden darf, die so leicht mit dieser Benennung aus dem Weichbild des Wirklichen und praktisch Anzustrebenden verwiesen zu. werden pflegen? Ist es etwas Anderes als jene Virtnosität, dir mit ewig wacher Energie ausnahmlos alle Kräfte, Fähig-/ keitcn, Anlagen Bestrebungen, Neigungen, ja Triebe und Begierden des eigenen Wesens im Zügel hält, keine die scharfe Gränzlinie des Reinen und Gerechten überschreiten, keine hinwiederum verkümmern läßt, vielmehr alle zur Verwirklichung der mannigfachen Zwecke des Edlen und Guten verwendet, die durch die Bestimmung des Menscheu als Strebeziel seines ganzen Daseins gesteckt sind? Diese Virtuosität der Herrschaft über sein Ich mit allen diesem Ich einwohnenden Kräften,, diese Herrschaft über sich selbst, ist wie alle anderen Fertigkeiten, in denen wir es bis zur Virtuosität zu bringen vermögen, keine angeborne. Es genügt auch zu ihrer Erlangung nicht die bloße Kenntniß der Zwecke des Edlen und Guten. Wie überall liegt auch hier zwischen dem Wissen und Können eine Kluft, die nur durch bis zur Gewohnheit fortgesetzte Uebung überschritten werden kann. Ein jedes nicht angeborene, sondern nur durch Uebung zu erlangende Konneu ist aber eine Kunst, und in diesem Sinne sagen wir: ״Brav sein, ist eine Kunst." Sehen wir den Säugling in der Mutter Arm. ״Aus des Schöpfers Händen stammt nichts Böses," spricht die älteste Weisheit, ״mein Gott, die Seele, die du mir gegeben, ist rein," läßt dieselbe Weisheit ihre Zöglinge von der Wiege bis zum Grabe bekennen, ״rein hast du sie mir eingehaucht, rein soll sie wieder zu dir kehren". Sie weiß Nichts von einer angeborenen, eingeborenen, augeerbten Sündhaftigkeit, Nichts von einer Zerfällung der geistigen und sittlichen Menschenbestimmung nach Verschiedenheit der Geburt, des Staudes und des Berufs. ״Mensch" zu sein, in des Wortes geistigster und edelster Bedeutung, gilt ihr als unterschiedlos aller Menschen erster und höchster Beruf. In diesen allgemeinsten und Allen gegemeinsamen Beruf gehen ihr alle andern sogenannten Berufs- und Standesarten auf und erhalten nur so viel Bedeutung als in ihnen und durch sie die eine gemeinsame Menschenbcstimmung rein und

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