Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1865)
- Article
- Einige Andeutungen über die Benutzung der ersten Lebensjahre für die Erziehung
- Date
- 1865-05-01
- Page
- 247 (sequence 3)
- Language
- German
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Benutzung der ersten Lebeusjahre für die Erziehung. 247 eines fünf- und sechsjährigen Knaben gegenüber empfunden. In erfolglosen Kämpfen und stillem Kummer haben sie die ersten Jahre der erziehenden Eltern-Arbeit verlebt und endlich verzweifelnd sich auf die fortgesetzte leibliche Fürsorge beschränkt, die ganze geistige und sittliche Bildung und Erziehung der Schule und den Einwirkungen der einstigen Lebenserfahrungen überlassend. Sie bange vor solcher Resignation. Sie meine, das heiße vor allem die ganze sittliche Zukunft unserer Kinder dem Ungefähr des Zufalles preisgeben. Sie sei freilich noch sehr jung und wage kaum ein solches Urtheil auszusprechen. Allein es komme ihr vor, es gebe mehr unterrichtete als wahrhaft gebildete Menschen, mehr kluge und gescheidte als gute und gesittete Kinder und wenn sie ihre junge Einsicht um Aufschluß frage, so wage sie zu meinen, es komme dies daher, weil unsere Unterrichtsanstalten, unsere Schulen, für die sittliche Erziehung, die Charakterbildung der Kinder zu wenig thun können, und weil das Haus, das für diesen wichtigsten- Zweig der Menschenbildung Alles thun sollte, eben dafür viel zu wenig thue. Diesen Klagen der jungen Mutter wagte ich mit der schüchlernen Bemerkung zu begegnen, ihre Freundinnen hätten vielleicht das Geschäft der Erziehung zu spät begonnen, hätten vielleicht die beste Zeit der Erziehung verabsäumt, hätten es vielleicht unterlassen ihr Kind und sich in einer Zeit für die Erziehung vorzubereiten, die vielleicht für das ganze Gelingen derselben die entscheidenste ist, und als sie das Erziehungsgeschäft begannen, wäre bereits ihr Zogling zum großen Theile für einen leichten und günstigen Erfolg verloren gewesen, und da räche sich nun das ominöse trox tarä an der Zukunstswiege der Menschen nicht minder als an der Schtcksalswiege der Völker, und was ein, wenn gleich nicht mit tändelnder Sorglosigkeit, so doch mit hoffnungsreicher Freudigkeit zurückzulegender Weg sein könnte, sei nun für sie ein wehe- und kum!»ervollcr Wandel in einem aussichtslosen Dornenhag und dies umsomehr geworden, da sie gleichzeitig auch verabsäumt, sich für das Erziehungsgeschäft gehörig vorzubereiten. Ich wagte zu meine», diese für das ganze Erziehungsgeschäft so entscheidende, und von so Vielen doch verabsäumte Zeit seien eben sofort die allerersten Lebensjahre, die nur in der rechten Weise für den Zögling wie für den Erzieher benutzt Werden mögen, um allen kommenden Erztehuugsjahren die herbsten 16«