Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1865)
- Article
- Einige Andeutungen über die Benutzung der ersten Lebensjahre für die Erziehung
- Date
- 1865-05-01
- Page
- 246 (sequence 2)
- Language
- German
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246 Einige Andeutungen über die ständige und liebevolle Fürsorgerin beschieden. Für die Pflege des ersten Jahres, meinte sie als Entgegnung, hoffe sie in der That mit ihrem guten Willen, ihrer Lust, ihrer Einsicht und ihrer aufopfernden Liebe anszureichen Habe sic doch trotz des Abrathens freundlich fürsorgendcr oder gedankenlos einer gedankenlosen Welt nachsprechender Freundinnen, trotz der nicht ganz;»stimmenden Neußerungen ihres nicht gerne gegen die Weisheit des Tages ankampfenden Arztes, es sich nicht nehmen lassen, ihrem Erstgebornen selbst die Nahrung zu reichen; habe sie sich's doch gelobt, während dieses ersten Jahres ihrer Mutterpflicht allen Vergnügungen, die sie der Nähe des geliebten Säuglings entziehen könnten, zu entsagen, und wenn sie das fortschreitende Gedeihen des kleinen Schreihalses bemerke und fühle, wie sie trotz der ungewohnten Anstrengungen und Sorgen gesund und wach und munter bleibe, so fühle sie sich überschwenglich belohnt und wisse Gott nicht genug für so viel Scgen und so viel Beistand zu danken. Allein oft, wenn sic auf den kleinen lächelnde» Knaben auf ihrem Schooße niederblicke und der nun bald kommenden Jahre gedenke, wo die körperliche Pflege nicht mehr den ganzen Katechismus der Mutterpflicht ausmache, wo zur Körperpflege die geistige und sittliche Erziehung als Eltern-Aufgabe sich geselle, da, gestehe sie, Überschileiche sie oft der ängstlichste Zweifel an ihrer Befähigung für eine so große Aufgabe, die größte, wie sie meine, die überhaupt einem Menschen gestellt werden könne: Bildner eines Menschen für den großen Menschcnberuf zu werden! Sie schaue sich dann oft im Kreise ihrer Bekannten und Freundinneu nach den dort erzielten Früchten der Erziehung um, und da fände sie wenig Trost. Sie sehe freilich gottlob wenige geradezu mißrathene Kinder, allein ebenso wenig eigentlich gutgerathene, wenige, von denen sie sich sagen könne, sie würde freudig ihrem Gotte danken, wenn es ihr gelänge ihr Kind zu einem solchen Knaben zu erziehen, und diese Wenigen — das erscheine ihr das Ntederschlagendste von Allem — seien, soweit ihre Beobachtung reiche, weniger durch eine erziehende Weisheit der Eltern, als durch besonders glückliche Anlagen das geworden, was sie sind. Sehr viele ihrer Freunbinnen hätten längst das Geschäft der Erziehung bet Sette gelegt. Sie hätten sehr bald, gleich beim Eintritt ihrer Kinder in die Er-- ziehungsjahre, ihre völlige Ohnmacht selbst dem aufstrebenden Willen 1