Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 7 (April 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-04-01
- Page
- 231 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Von S... 231 aber der letzte VcrS verklungen war, da rief die Stimme wieder: ״Arnold, komm herein!" ,,Ich komme Mutter!" antwortete der älteste der Knaben und eilte dem Hause zu. Die Pfarrerin stand auf der Schwelle: ״Du wünschest Mutter?" ״Der Vater hat nach dir v-.rlangt, geh' hinein mein Kind; doch wie erhitzt du bist," und mit sanfter Hand strich sie ihm die blonde» lockigen Haare aus der Stirn und drückte einen leisen Kuß auf diese. Arnold glaubte Thräncn in ihren Augen zu erblicken und ihre Hand an seine Lippen ziehend stüsterte er: ״Du bist so bewegt Mutter, der Vater zürnt mir doch nicht? Ich bin mir doch keines Fehls bewußt." ״Sei ruhig Kind, warum sollte der Vater dir zürnen? Du bist ja unser guter lieber Sohn. Und nun geh' hinein Arnold, doch was Du drinnen auch erfahren magst, denke daß Du unser guter Sohn bist und bleibst." Sanft schob sie ihn in's Haus ״ArmeS Ktnd" murmelte sie, mit bekümmerter Liebe ihm nachbltckend ״ich fürchte das wird ein harter Schlag für dich. Wenn sie ihm nur den schonen Wahn, in dem er bisher gelebt, für innner lassen wollten; er war ja stets so glücklich und wir mit ihm; meine eigenen Kinder sind mir doch kaum theurer als dieser schone stolze Knabe." Mit beklommenem Herzen öffnete Arnold des..Pfarrers Studirstube; ein Fremder waranwesend; diesen siüchtig grüßend, wandte sich der Knabe an den Pfarrer: ״Du hast mich rufen lassen Vater?" ״Ja wohl," entgegnetc dieser ihn zum Kanapee führend auf dem der Fremde saß, ״setz' Dich mein Sohn; ich habe Dich rufen lassen, weil ich Wichtiges Dir mitzuthetlen habe." Der Knabe blickte auf, sein Herz schlug so laut und bang, er wußte selbst nicht warum -.- er fuhr sich mit der Hand über die Stirn, wie um sich zu überzeugen, daß er wache; wie in einem schweren Traum fühlte er sich befangen. Nach einigen Augenblicken fuhr der Pfarrer fort: ״Mein theurer Sohn! Du bist mm herangewachsen, die Ktndcrjahre liegen hinter Dir; Dein vierzehntes Lebensjahr hast Du bald überschritten; in wenigen Wochen wirst als bewnßtvvller Christ Du dastehcn — Doch ehe wir zu diesem heiligen Akte, ehe wir zup Confirmation