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Jeschurun · 1865-04-01 · Heft 7 (April 1865) · p. 232

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 7 (April 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-04-01
Page
232 (sequence 14)
Language
German
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232 Licht- und Schattenbilder. schreiten, ehe ich das heilige Abendmahl Dir reiche, liegt noch eine ernste Pflicht mir ob — und die ist, Dich mit Dir selbst bekannt zu machen —" Wieder hielt er inne, es schien ihm selbst schwer zu werden, doch nach kurzer Pause fuhr er fort: ״Arnold, mein Sohn, den stets als Sohn ich geliebt, ich darf Dtr's nicht länger verhchlen, wohl bist du mein Sohn, meines Herzens Sohn, doch deinen leiblichen Vater siehst Du hier" und er deutete^mit der Hand anf den Fremden. Betäubt, als wäre eine Kanonenkugel an ihm vorübergesaust, saß der Knabe da; der Fremde breitete die Arme aus ihn zu umfangen, doch er fuhr zurück, er konnte es noch nicht fasten. ״Du nicht mein Vater? — Nicht mein Vater Du? wie kann ein Fremder denn mein Vater sein?" Der Pfarrer wähnte wohl zu thun, mit einem Male Alles mitzutheilcn ״Dein Vater, Arnold, ist ein hochherziger edler Mann, der, um seines Kindes ewiges Heil zu wahren, mit hoher Selbstverleugnung sich ihm entzog, denn er ist Jude und ließ Dich als Christ erziehen." Vor Arnolds Augen flimmerte es; war es, konnte es denn wahr sein? ״Ich eines Juden Sohn? — und was bin denn ich? —" ״Du Arnold, Du bist Christ. Als vierjährigen Knaben brachte Dein Vater Dich her zu mir, ich vollzog die heilige Taufe und nahm Dich aus in unserer Kirche Schooß." Wieder wollte der Fremde ihm nahen und wieder zuckte der Knabe. ״Geh Arnold, geh," sprach der Pfarrer sanft und legte die Hand ans seine Schulter. ״Liebe Deinen Vater, Kind, den Gott Dir verliehen, und dem Du so großen, so unendlichen Dank ja schuldest; denn er tilgte den Fehler der Natur, die als Juden Dich schuf; ihm dankst Du nicht nur das Leben, ihm dankst Du auch Deiner Seele Heil." , Ruhig aber kalt duldete Arnold den Kuß, den sein Vater auf seine Wangen drückte; der Kuß war auch nur kalt und doch brannte er ihn wie Feuer. Des Knaben Busen wogte mächtig und schwer, er glaubte, das Herz müsse ihm zerspringen und horte nicht, was sein Vater zu ihm sprach. Endlich erhob sich dieser, winkte dem

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