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Jeschurun · 1865-04-01 · Heft 7 (April 1865) · p. 230

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 7 (April 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-04-01
Page
230 (sequence 12)
Language
German
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230 Licht- und Schattenbilder. »elda gleichfalls schluchzend ein, ״von allen will sie da- Beste hal׳e», die besten Kleider, die schönsten Spitzen, die —" ״St! Kinder," unterbrach sie der Vater, die Cigarre von sich schleudernd, ich höre Schritte auf der Stiege; benehmt euch anständig." Mit dem Battisttuch das Antlitz bedeckend, sank Rosaltnde in einen Fauteuil, Thusnelda warf sich auf's Canapee, den Kopf in die Kissen bergend. — Es klopfte und auf das ״Herein!" öffnet Doktor Fuchs die Thür. Die Herren reichten einander die Hände und drückten sie innig. Eckert sprach seinen Dank für die herrliche Grabrede aus; doch der Redner wollte hievon nichts hören, und näherte sich tröstend den Damen. Der Hausherr entschuldigte sich bald, Geschäfte riesen ihn in's Comptoir. Der Doktor blieb allein mit den engelreinen jungfräulichen Seelen. — — Es war Sonntag Nachmittag in der zweiten Hälfte des Februar; die Luft lau und milde, wie zuweilen in diesem Monat, schien schon eine Ahnung des kommenden Frühlings in sich zu bergen. Die Kirche war vorüber, in munteren Spielen tummelten sich die Kinder des Pfarrers in dem großen Garten der das Wohnhaus umschloß. Herüber und hinüber flog der große Kautschukball, den die schlanken Knaben mit anmuthizer Gewandtheit einander znzuschlagen wußten,.^,während ein zierlich kleines Mädchen nach dem ersten Schneeglöckchen spähend umhersprang und den Brüdern wenn sie den Ball fchlschlugen, denselben rasch wieder zuwarf. Lust und Leben lag ans aller Antlitz. Endlich schienen sie doch zu ermüden; der Ball fiel all zu oft zur Erde, die Kleine hob ihn nicht mehr aus. ״Fort mit dem Ball," rief sie, ״der ist für jetzt genug geflogen; laßt uns ein Liedchen singen." * ״Ganz gut Mariechen, aber sag auch was für eins?" ״Es ist heute so schön, Mailuft selbst könnte nicht schöner sein, drum laßt uns das Mailied singen." Und alle drei begannen mit frischen jugendlichen Kehlen das bekannte Lied: Der Schnee zerrinnt, der Mai beginnt, die Blumen hauchen Düfte u. s. w. Sie hatten noch nicht vollendet, da rief es vom Hause her ״Arnold! Arnvld!" doch in dem lauten Gesänge hörten die Kinder es nicht; als

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