Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 7 (April 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-04-01
- Page
- 229 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2932947-2932955-2949328--09455-2949371- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Von S... 229 daraus hervor. Herr Doktor Fuchs halte beute sich selbst übertroffen. Die Cercmonie war beeiltet, die Verstorbene ihrer letzten Ruhestatte übergeben und die trauernden Hinterbliebenen in ihr vereinsamtes Haus zurückgckehrt. Unruhigen aufgeregten Schrittes durchmaß Herr Eckert das Gemach,! cs ist immer ein lahmendes, ein beängstigendes Gefühl, dem Tode so in's Antlitz geschaut zu haben. Man wird so sehr an die Vergänglichkeit gemahnt und ein Schauer durchrieselt auch manchen Starken. ״Arme Agnes —״ murmelte Eckert vor sich hin, eine Cigarre anbrennend, ״so jung, so schon und schon im Grabe — wer hätte gedacht, daß du mir schon so bald entrissen würdest — ob ich noch Ersatz für dich finde?" Und fort und fort durchwandert er das Zimmer, endlich zog er die Glocke, ein Diener erschien. ״Wo ist das Zonrnal? es ist bald Mittag und ich habe es heute noch nicht erhalten." Ucberrascht blickte der Mann aus ״Die Blätter sind noch nicht gekommen." ״Nun so gehe in die Expedition und bringe sie mir sogleich" und es dauerte nicht lange, so saß Herr Eckert, in Börsennachrichten vertieft von blauen Dainpfwolken umgeben.— Laute streitende Stimmen störten ihn auf aus dieser behaglichen Ruhe; unwillig blickte er nm sich, doch als der Lärm nicht enden wollte und ihn fort störte, erhob er sich und ging in'S Nebenzimmer. Mit aufgeregten erhitzten Gesichtern traf er seine beiden Tvchter in heftigem Wortstreit um die Garderobe ihrer verstorbenen Mutter. ״Mädchen," schalt Herr Eckert, die Cigarre aus dem Mund nehmend, ״seid ihr denn ganz Herz- und gefühllos? wenige Sinnden nur ruht eure Mutter im Grabe und —" ״Papa," rief Nosalindc in Thränen ausbrechend, ״mein Herz blutet gewiß bei dem Gedanken an der seligen Mama Tod, aber ich bin die älteste, ich muß doch in nobelster Trauer erscheinen; mir kommt daher auch Mama's neues schwarzes Sammtkleid zu." ״E§ ist nicht das Sammtkleid allein," siel die jüngkre Thus-