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Jeschurun · 1865-04-01 · Heft 7 (April 1865) · p. 228

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 7 (April 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-04-01
Page
228 (sequence 10)
Language
German
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Licht- und Schattenbilder. 228 Antlitz in die schmerzlichsten Falten zu legen, wie sie zu ciner Leichcnrede sich ziemte». Endlich glückte der Ansdruck; der Spiegel schwand, ein kleines geschriebenes Heft trat au seine Stelle; Herr Doktor Fuchs überlas nochmals die herrliche Rede, die zwei Nächte Schlaf ihn gekostet und die er nun aus dem Stegreif zu halten beabsichtigte. Herr Doktor Fuchs war ein großer und sehr beliebter Redner, seine Sprache, so blumen- und bilderreich sollte der Jean Pauls fast gleichen. Nur war nicht selten die Pracht der Farben zu glänzend, so daß man geblendet stehen blieb und den Vorwurf des Bildes nicht zu erkennen vermochte. Doch konnte dies unmöglich des Malers Fehler sein. Am Friehhof angelangt, wanderte das Heft in die Tasche. Man stieg ans, in schönster Reihenfolge ordnete sich der Leichencondukt; ein wohlgeschulter Chor begann ein Trancrlied und gemessenen Schrittes näherte man sich dem offenen Grabe. — Hier ward der Sarg niedergesetzt; anstandsvoll reihte sich Alles um daö Grab und Doktor Fuchs trat zur Leiche. In den gefalteten Händen das schwarzgebundene Gebetbuch, beugte er die Knie ein wenig und blickte schmerzverklärt zum Himmel. — Lautlose Stille herrschte, nicht einmal das Schluchzen der Leidtragenden, die ihr Antlitz in Tüchern gesenkt hielten, war zu vernehmen, keiner wollte ein Wort des gefeierten Redners verlieren. Er wollte beginnen, doch der Schmerz schien ihm die Sprache zu rauben, er preßte das Gebetbuch auf die Brust und nun erst entrang sich ihr ein Laut. Und leise begann er, leise klagend, so schwermuthsvoll und schmerzerfüllt — kein Auge blieb trocken. Doch dann sich ermannend, sprach er von den Tugenden der Verblichenen, die nun ein himmlischer Engel mit verklärtem Auge auf das irdische Jammerthal herniederschauc — und immer mehr hob sich seine wohltönende Stimme, immer erhabener ward sein Vortrag. Er erläuterte, wie der wahrhaft edle Mensch eigentlich nie sterbe, große Manncr leben fort in ihren Werken, tugendhafte Mütter in ihren Kindcrn, und wie die Dahingeschiedene, die sich während ihres Lebens so ganz der Erziehung ihrer Kinder geweiht, nun in ihnen fortlebe, vor allem in den engelrcinen jungfräulichen Seelen ihrer Töchter. Und immer Heller und glänzender ward der Fluß scincr Rede, und wie ein unbezwingbarer Schmerzensschrei drang's dann doch wieder

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