Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 7 (April 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-04-01
- Page
- 227 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Von S... 227 mich davon. Ich glaube indessen, daß zu derlei Beobachtung vielleicht eine zartere Organisation erforderlich ist:" ״Jedenfalls werde ich gehen," erwtederte Herr Eckert, ״denn eS läßt sich doch nicht in Abrede stellen, daß eine derartige Erscheinung —" Das Gespräch wurde unterbrochen; ein eintretender Diener übergab Herrn Eckert eine eben angelangte Depesche. Wolf erhob sich, sich zu empfehlen, bemerkte nochmals, daß er das versprochene Schreiben Abends abhole» lassen werde-und bat Eckert, eS doch so warm als möglich abfassen zu wollen. Noch in derselben Nacht trat Frau Weiß, versehen mit Em« pfchlungen von den Bankiers Wolf und Eckert, ihre Reise nach Petersburg an. Wir äußern so oft Gedanken die wir gar nicht gedacht, sprechen so häufig in leichtem Ton über ernste Dinge, die, wenn im Ernste sic nahen, mit ihrer Wucht uns danicderschmettern. —. Noch kaum acht Tage waren vergangen, seit Frau Eckert der Lehren erwähnt hatte, die sie auf ihrem Sterbebette ihren Kindern zu erertheilen gedenke. Schwerlich dachte sie damals, was sie sprachen; sicherlich hatte die in der Blüthe ihrer Jahre, im Vollgcnuß der Gesundheit stehende Frau keine Ahnung, daß jene Stunde ihr so nahe sei. Denn kaum acht Tage waren seitdem verstrichen und schon war ihr Mund für immer verstummt, schon lag sie auf der Bahre, ein Schlagfluß hatte ihrem Leben ein plötzliches Ende gemacht. Eckert war einer der reichsten Bankiers der Stadt; das Leichenbegängniß seiner Gattin daher ein wahrhaft imposantes. Dem Sarge zunächst folgten mehrere Equipagen mit den trauernden Hinterblicbene», dann ihr Seelsorger, Doktor Fuchs, und eine fast unabs hbare Reihe Wagen schloffen sich diesem an. Langsam bewegte der stattliche Trauerzug sich fort. Herr Doktor Fuchs im langen schwärzen Tatar gehüllt, in eine Wagenecke gelehnt, hielt ein offenes Gebctbuch in der Hand, das langsame Fahren' schien ihm das Lesen zu ermöglichen. Hätte man jedoch hineinzublicken vermocht, so hätte man bemerkt, daß wenigstens in diesem Augenblick der fromme Herr nicht betete, den» in dem offenen Gcbetbnche befand sich ein offener Taschenspiegel ans dem die unglücklichen Züge des Seelsorgers widerstrahlten. Herr Doktor Fuchs war eben bemüht, sein interessante-