Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 7 (April 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-04-01
- Page
- 223 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Von S... 22S seufzend Hinzu— ״zuberauben. Aber das Unglück macht so arrogant so rücksichtslos." Wolf hielt Wort und seinen eifrigen Bemühungen gelang eö endlich, zu ermitteln, daß jener Elende den Weg nach Petersburg eingeschlagen. Die Frau war voller Dankbarkeit und gleich entschlossen, den Nacht-Train zu benützen, ihre Reise fortzusetzen. Wolf versprach ihr ein Empfehlungsschreiben an einen Geschäftsfreund in der fernen Czarenstadt; doch seine Frau machte ihn aufmerksam, daß ja der ihnen befreundete Bankier Eckert erst vor Kurzem dort gewesen und oft seine vertraute Bekanntschaft mit dem dortigen P.'schen Gesandten gerühmt habe. ״DaS ist ein glücklicher Gedanke," entgegnete ihr Gatte, ״Eckert kann in der Thal wirksamere Empfehlungen nach Petersburg geben als ich; ich will sogleich zu ihm. Eben recht," bemerkte er auf die Uhr blickend, ״jetzt wird er sein Diner noch kaum beendet haben und wenn ich eile, treffe ich ihn noch in seiner Wohnung; im Comptoir suche ich ihn ungern heute auf." Er machte sich rasch auf den Weg und hatte bald sein Ziel erreicht. Eckert war noch zu Hanse. Den dampfenden Kaffee vor sich, war er eben im Begriff eine Cigarre anzubrenncn, als ihm Besuch angekündigt wurde. Doch kaum hatte er den Eintretenden erblickt, als er djc Cigarre rasch zur Seite warf und dem Kommenden entgegcneiltc, ihm herzlich die Hand zu drücken. Wolf hatte bald sein Anliegen vorgcbracht und schilderte nun das grenzenlose Elend seines Schützlings. Aufmerksam horte» sowohl Eckert als auch dessen Frau ihm zu. ״Das ist eine seltsame Geschichte, Freund," bemerkte Eckert als Wolf geendet, ״und wenn man meiner Ansicht darin folgen würde, so ließe man der Sache ihren Laus. Ich weiß indessen wohl, ich werde Sie zu meiner Anschauungsweise nicht bekehren und erkläre mich daher gern bereit, Ihren Wunsch zu erfüllen. Wie ich auch darübet denke» mag, ich werde die Frau aufs wärmste empfehlen, und bin überzeugt, der P.'sche Gesandte wird sein Möglichstes in der Sache thun, obgleich ich eigentlich nicht weiß, was geschehen kann. Wollen Sie ein wenig verziehen, so will ich Ihnen sogleich meinen Brief an Herrn v. G. übergeben." Wolf dankte verbindlichst, doch erklärte er, den Brief Abends nach Ausgang des Sabbaths abholen lassen zu wollen. 16*