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Jeschurun · 1865-04-01 · Heft 7 (April 1865) · p. 222

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 7 (April 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-04-01
Page
222 (sequence 4)
Language
German
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222 Licht- und Schattenbilder. seiner Kinder Jedermann auffallen müsse. ״Und woher vermuthetrn Sie denn, Madame," fragte Wolf in mildem Tone, ״daß Ihr Mann sich hierher gewendet?" »3ch schrie-zuerst nach L.," erwiderte die Fremde tonlos, ״obgleich ich fast nicht die geringste Hoffnung mir machte, daß mein Brief ihn dort treffen werde, und meine Schwägerin antwortete mir auch umgehend, daß weder ihr Bruder noch dessen Kinder ihr zu Gesichte gekommen. Da fand ich nun vor einigen Tagen unter den Papieren, die mein Mann zurückgelassen, einen Brief von seinem Bruder, worin dieser ihm mittheilte, er sende ihm einen Wechsel auf Ihr Haus und ihn aufforderte, aus der Durchreise denselben einzukassiren. DieS war die einzige Spur, die ich verfolgen konnte; ich that'S, obgleich der Arzt mich noch nicht reisen lassen wollte — der Unglückliche klammert sich ja an einen Strohhalm, jener Brief war meiner — doch wie nun weiter? — wie weiter? — mein Gott!" ״Daß er sich nach H. gewandt," sprach Wolf nach kurzem Schweigen, ״ist schwer anzunehmen, eben weil er es absichtlich erwähnt und ihm doch allem Anschein nach mehr daran liege» mußte, seine Spur zu verwischen, als sie anzugeben." ״Doch wohin soll ich mich nun wenden?" rief verzweiflungs» voll die unglückliche Mutter. ״O meine Kinder! meine Kinder! — mag Gott euere Seele retten — o wäret ihr bei eurem Bruder! — Weh mir," schrie sie aus, ״daß meiner Kinder Tod ich glücklich preisen muß!" Beide Gatten waren tief erschüttert, sie wechselten einen Blick des Einverständnisses, und während Wolf für den folgende» Tag alle möglichen Erkundigungen und Nachforschungen versprach, entfrrnte sich seine Frau. Bald kehrte sie indessen zurück, und drang nun in d^ Fremde, in ei» für sie zubereitetes Zimmer ihr zu folgen und dort der Ruhe zu pflegen. Sie wollte» sie in ihrer Erschvpfung und Aufregung nicht in's Hotel zurückkehren lassen. ״O wie freundlich, wie unendlich gütig sind Sie," sprach dte Leidende nach kurzem Zöger», die freundliche Einladung annehmend, ״und wie sehr muß ich nochmals um Entschuldigung bitten, daß ich es gewagt, den schonen Sabbath-Abend Ihnen zu verstören, und Sie der Gegenwart Ihrer Kinder —" fügte sie schwer

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