Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 7 (April 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-04-01
- Page
- 224 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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224 Licht- und Schattenbilder. ״Wie?" fiel hier Frau Eckert ein, ״auch bei einer nach Ihrer Ansicht koch so verdienstlichen Handlung wollen Sie von Ihren starren Vorurtheilen nicht lassen? Ich begreife in der That nicht, wie ein intelligenter, denkender Mann wie Sie auf dergleichen halten kann." ' ״Darin hat meine Frau Recht," stimmte Eckert bei, ״das begreife auch ich nicht. Daß Ungebildete oder Kinder — erinnerst Du Dich'noch," wandte er sich an seine Frau, welche Schwierigkeiten Uns Adolf nach seiner Konfirmation gemacht?" ״Za, ja," entgegnete diese, ״das war wirklich nicht übel." ״Als ich nämlich Adolf," fuhr Herr Eckert fort, ״nachdem er die Schule verlassen und konfirmirt worden, im Comptoir zu verwenden begann, da weigerte er sich am ersten Sabbath zu arbeiten und behauptete, es wäre Sünde, sie hätten es bei dem Herrn Doktor, der den Religionsunterricht vor der Konfirmation ertheilk, so gelernt. Denken Sie sich mein Erstaunen, solche Worte aus meines Sohües Münde zu vernehmen, dafür hatte ich dem Prediger, der ihn unterrichtet, fünf Thaler zahlen müssen, und war ich, weih Gott, nicht iin Stande, dem Jungen die Narrheit auszureden." ״Und waS thaten Sie?" fragte Wolf. ״Was ich thät?" lachte der Andere, ״nun wer ihm den Kram eingeredet, müßte ihn ihm auch wieder auSreden. Nachdem ich weder durch Drohungen noch selbst durch Strafen den Jungen vermocht, zu thun wie ich gebot, begab ich mich zu dem Herrn Prediger, der ihn konfirmirt, erzählte ihm den Fall und versprach noch weitere fünf Thaler, wenn er mir meinen Adolf wieder in Ordnung bringen würde.' Der Herr Doktor war auch gern dazu bereit und meinte, auch ohne Honorar halte er sich hierzu verpflichtet; ich Möchte Adolf nur noch ein paar Mal zu ihm schicken, und dieser ging sehr gernj den Religionsunterricht der ihn so sehr erbaut noch ferner zu genießen. Und am folgenden Sabbath war mein lieber Adolf der erste im Comptoir und schrieb und arbeitete, es war eine Lust." Die zweiten fünf Thaler hatte der Doktor redlich verdient." " Wolf vermochte einen Seufzer nicht zu unterdrücken; der erwähnte junge Mann erregte fein lebhaftestes Interesse. ״Wenn nun aber Ihr Sohn darauf beständen hätte, Sabbath zu halten?" ' 'hätte ich ihn zum Kukuk gejagt," rief Eckert heftig, ״was