Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1865-04-01 · Heft 7 (April 1865) · p. 212

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 7 (April 1865)
Article
Zur Falaschasfrage
Date
1865-04-01
Page
212 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2932754-2932947-2932955-2949327--09437-2949354
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur Falaschasfragc. 212 daß dieselben bei ihrer Einwanderung das mündliche Gesetz kannten und beobachteten, im Lause der Zetten aber durch den Mangel einer schriftlichen Sammlung der traditionellen Gesetzesbestimmungen dieselben'vergaßen. Auch R. David b. Simra bezeichnet die nbyssinischen Juden' nicht als Principielle Traditionögcgner, sondern sagt: □ rV *כפי הנראה הם טכח צדוק וגייסות הגקראי׳ קראין שהרי אינם יו ד חורה שבעל פה woraus wir sehen, daß N. David b. Simra den Grund der zwischen dem Leben der Falaschns und der Karär destehenden Aehnlichkeit nicht in einer den elfteren zur Last z:: legenden Leugnung, sondern in ihrer Uukenntniß des mündlichen Gesctzcs erblickt. Die Unwissenheit der Falaschas ist daher durchaus kein Beweis gegen ihre jüdische Abstammung und auch kein Beweis, daß sie wirkliche Traditionsleugner seien, sondern nur eine eklatante Bestätigung der Umsicht unserer Weisen, welche nur im Niederschreib'en der mündlichen Lehre das Mittel erblickten, um der Gefahr des Vergesscns des Gottesgesetzes vorzubeugen. Auch der Umstand, daß die Falaschas der hebräischen Sprache nicht kundig sein sollen, kann nicht als Beweis gegen ihre jüdische Nationalität betrachtet werden. Auch unter den alexandrinischen Zuden scheint in den Zeiten Philo's die hebräische Sprache gesunken zu sein, da, wie bereits R. Assarja de Nossi in 'מאור עינים ח״ג פרק ה bemerkt, selbst Philo in seinen Schriften eine vollkommene Unkenntniß des Hebräischen verräth, indem er sogar an solchen Stellen unbedingt der Septuaginta folgt, in denen dieselbe den Bibeltext unrichtig reproducirt, auf offenbare Zrrthümer der Uebersetzung exegetische Erörterungen stützt und mitunter Behauptungen aufstellt, die sich einzig und allein dadurch erklären lasse», daß er sich einfettig an die Bedeutung des in der Uebersetzung gebrauchten Ansdruckes hielt, aber von dem Sinne des dem betreffenden griechischen Anödrückes zu Grunde liegenden hebräischen Wortes gar keine Nhnnng hatte. 'So wenig nun die Thatsache, daß der hervorragendste unter den alexaNdrinischen Juden die Bibel im Urtexte nicht zu benutzen im Stande war, eine die Abstammung der alcrandrinischcn Juden in Frage stellende Vcrmuthung Hervorrufen konnte, ebensowenig kann der Umstand, daß die Falaschas die Bibel nicht im Originale kennen, zu einer ihre jüdische Nationalität, negircnden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.