Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 7 (April 1865)
- Article
- Zur Falaschasfrage
- Date
- 1865-04-01
- Page
- 211 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Von Br. I. Gugenheimer. 211 ruirg des Jndenthums in Abyssinien entstanden. Nach einer im Journal asiatique und auch als Separatabdruck (Paris 1829) erschienenen Notice sur l’epoque de l’dtablissement des juifs dans l’Abyssinie par M. L. Marcus (p. 10) ist es aber auf Grund eines Berichtes des Philostorgus, eines griechischen Schriftstellers deS 4. Jahrh. d. gew. Ztr-, als historisch sichergestcllt anzunehmen, daß sich unter den Colonteen, welche Alexander der Mazedonier an die abhssintsche Küste verpflanzte, auch Juden befanden. Diese Ansicht, wonach die Einwanderung der Juden in Abyssinien ungefähr im Jahre 3658 n. d. Sch. (330 vor der gew. Ztrch.) stattfand, theilt auch D1\ R npp ell (Reise in Abyssinien. Bd. II. S. 326). Ferner heißt es in einer von Prof. Dillmann a.a.O. S. 345 übersetzten Urkunde, daß vor dem I. 340 b. gew. Ztrch. ״vom Volke Acthio- ״picns einige die Schlange als Gottheit verehrten, andere unter dem ״mosaischen Gesetze standen." Nach diesen von ganz unbefangener Seite kommenden Daten kann es, wenn wir auch die auf Philostorgus gestützte Angabe noch um einige Jahrhunderte herabsetzen, keinem Zweifel unterliegen, daß die Falaschas jedenfalls längere Zeit vor der Niederschreibung des mündlichen Gesetzes nach Abyssinien kamen. Wenn wir nun berücksichtigen, daß die Falaschas durch ihre Ansicdlung, wie cs der Lage Abyssiniens gemäß kaum anders erwartet werden konnte, alle Verbindung mit den übrigen Juden verloren, und uns vergegenwärtigen, daß nach Gtttin 60, Themnra 14 b., Maimonides Vorrede zu יד חזקה das Niederschreibcn der mündlichen Lehre darum stattfand, um dem durch die Zerstreuung Israels und die mannigfachen Folgen derselben zu befürchtenden Vergessen des mündlichen Gesetzes vorzubengen, so ergibt sich unS, daß anS dem Umstande, daß die Falaschas die traditionelle Lehre nicht kennen, nicht mit Bestimmtheit zu schließen ist, daß sie die Nachkommen einer die Tradition leugnenden Sekte seien; denn da ihre Vorfahren, wie wir ans den oben angeführten historischen'Angaben gesehen, und wie aus dem Umstande, daß den Falaschas die Zerstörung des zweiten Tempels unbekannt ist, hervorgeht, mindestens vor 1800, vielleicht schon vor 2000 Jahren nach Abyssinien wandcrtcn, und durch die Abgelegenheit dieses Landes seit dieser Zeit von den übrigen Juden völlig abgeschnitten waren, so ist es möglich,