Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 6 (März 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-03-01
- Page
- 195 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Von S... 195 so Vater, daß man am Sabbath so viele Dinge nicht thun darf, die doch keinem Menschen schaden können und Gott natürlich auch nicht?" ״Kannst Du Deinem Bruder diese Frage wohl beantworten Bernhard," wandte sich der Vater an seinen ältesten Sohn. ״Ich glaube wohl," versetzte dieser, ein geistvoller Knabe von zehn Iahren, ״es steht ja in der Thora: ״Sechs Tage sollst du arbeiten, aber am siebenten mußt du ruhen, denn in sechs Tagen hat Gott der Herr die Welt erschaffen, am siebenten aber ruhte Er aus von allen Seinen Werken" ״und damit wir uns nun immer erinnern, daß Gott die Welt erschaffen, und daß sie Ihm gehört, darum dürfen wir am Sabbath keinerlei Arbeit verrichten." ״Das verstehe ich nicht," entgegnete der Kleine. ״Sich' liebes Kind," erwiderte der Vater, ״als gestern Dein Schwesterchen die Naturgeschichte mit den Bildern nehmen wollte, da schriest du: laß cs liegen; das Buch ist mein, und du hättest es ihr genommen,-wäre ich nicht dazu gekommen und hätte Dich erinnert, daß das Buch ja gar nicht Dir gehört, daß wir Dir es nur auf längere Zeit geliehen. Du hattest hieran längst vergessen, hieltest das Buch für Dein und glaubtest damit schalten und walteu zu können nach Belieben. Und weil nun Gott auch dem Menschen die Welt nur geliehen, um darin zu leben und zu schaffen nach seinem- Gefallen, darum verbot Er uns, am Sabbath darin zu wirken und zu schaffen, damit wir nie vergessen, daß die WÄt nicht unser eigen. Nun verstanden, mein kleiner Mann?" DaS Kind bejahte erröthend. ״Das ist wohl leicht zu verstehn" bemerkte die achtjährige Bertha, ״aber lieber Va'.cr, möchtest Du mir nicht auch so erklären, warum wir so viele Speisen nicht essen dürfen?" ״Dafür kann ich Dir nur den Grund angeben, weil Gott es uns verboten." ״Ja das weiß ich wohl, ich mochte aber gern wissen, warum Gott es uns verboten?" ״Das wissen wir nicht, mein Kind, das hat Gott uns nicht mitgethcilt." ״Und Du Vater, weißt es auch nicht?", rief erstaunt die Kleine. Wolff verneinte lächelnd. ״Aber das ist doch ärgerlich" —