Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 6 (März 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-03-01
- Page
- 194 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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194 Licht- und Schattenbilder. che» dieser jüdischen Pfaffen, um unser altes traditionelles Indenthum zu untergraben, stch an die Frauen zu wenden, und diese glauben zu machen, dasselbe erniedrige und verachte ihr Geschlecht. Und dieser Doktor Fuchs, dieser Paladin aller Damen, ich mußte an mich halten um ihm nicht zu sagen, was ich von ihm aus U. vernommen." ״Denke Dir nur, man erzählt stch dort manch' nettes Histvrchen von cigcnthümlichen Beziehungen des Herrn Doktor zum schöneu Geschlecht, zu dessen Verthcidigercrsich so eben erst aufgeworfen." Zwei Monate mochten vergangen sein, es war an einem Freitag Abend, der Sabbath hatte bereits begonnen. In dem freundlichen Wohnzimmer befand sich Abraham Wolf mit seiner Familie, eben im Begriff das Nachtessen etnzunehmen. Eine Lampe nebst zwei Wachskerze» erhellten von der Mitte des rcichgedeckten Tisches das mild durchwärmte Gemach, das trotz der vorgerückten Jahreszeit von Blumenduft erfüllt war. Auf dem Divan seiner Gattin zur Seite, saß Wolf, um den Tisch herum ihre blühenden Kinder. ״Ich kann mir doch nichts Köstlicheres denken, als solch einen Freitag Abend," begann Frau Wolf mit glücklichen Blicken Mann und Kinder betrachtend, ״diese modernen Juden die den Sabbath nicht halten, wie sehr sind sie schon nur dieserhalb zu beklagen. Nach sechs Arbeitstagen diese Wonne des Sabbaths, die alle Sorgen, alle Geschäftsgedanken verbannt. Am Sabbath, Wolf, erscheinst Du mir fast um zehn Jahre jünger, da ist Deine Stirne so glatt, Dein Auge so frei, da bist Du nicht der Chef des Hauses Wolf und Söhne, da bist Du nur Vater." ״Und Gatte," fügte Wolf innig hinzu, seinen Arm um sie schlingend. ״Aber lieber Vater," fiel Jacob, der jüngste Knabe, ein hübsches sechsjähriges Kind, ein, ״ich habe den Sabbath wohl auch sehr gern, aber er wurde mir noch viel besser gefallen, wenn ich nicht fortwährend fürchten müßte, an ihm eine Sünde zu begehn. Nehme ich ein Stückchen Papier, so nmß ich denken, daß ich's heute nicht zerreißen darf; sehe ich eine Blume, so muß ich mich gleich erinnern, daß ich sie heute nicht pflücken kann. Warum ist das nur