Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 6 (März 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-03-01
- Page
- 189 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Von S. - - 189 Herr Doktor Fuchs aber gab die Hoffnung nicht auf, den starren Orthodoxen zu bekehren. Obgleich alle Gesinnungsfreunde desselben ihm nicht die geringsten Schwierigkeiten bereiteten, verletzte es doch schmerzlich seine Eitelkeit, in ihnen nicht Verehrer zu erblicken. Mannigfache Manöver hatte er schon unternommen, sich Wolf zu nähern; denn mit ihm hoffte er alle gewonnen zu haben. Doch dieser wußte stets ihm auSznweichen. Endlich, endlich war es ihm nun gelungen es zu einer Unterredung mit seinem Gegner zu brtngen, und er versprach sich viel von dieser; denn seine Ltebenswürdigkeit, seine Beredsamkeit hatten seine Freunde gar oft unwiderstehlich genannt. öH ״Herr Wolf," begann er von Neuem, ״allseitig höre ich Sie als Mann von Ehre, von hohem Charakter bezeichnen, so lassen Sie uns denn reden, Mann zu Mann. Frei und offen sagen Sie mir, was ich Ihnen gethan, worin ich Sie beleidigt, daß ich Sie mir stets so schroff und feindlich gegenüber sehe." ״Herr Doktor," entgegnete Wolf, ״Sie haben meinen Freimnth herausgefordcrt, Offenheit Ihnen gegenüber mir gewissermaßen zur Ehrensache gemacht, so muß ich es denn wohl übersehen, daß zu einer derartigen Unterredung hier eigentlich der Ort nicht ist; doch das mögen Sie verantworten. Zur Sache also. Sie fragen, was Sie mir gethan, worin Sie mich beleidigt haben? Mir persönlich haben Sie, nichts gethan, beleidigt in dem Sinne, in dem man dies Wort gewöhnlich deutet, haben Sie mich auch «ie —״ ״Und dennoch sind Sie mir feind," fiel der Doktor ein, dennoch möchten Sie all mein Wirken zu nichte machen." ״Wollte Gott ich hätte die Macht dazu! —״ ״Herr!" rief der Doktor, dem Zornesgluth die blassen Wangen färbte, solche Offenheit hatte er doch nicht erwartet, ״diese Worte verlangen eine Erklärung, eine bündige genügende Erklärung oder —" ״Vergessen Sie nicht Herr Doktor, daß Sie meine Aufrichtigkeit quasi erpreßt." ״Das Vergesse ich nicht," erwiderte dieser sich besänftigend und in seinen früheren Ton zurückfallend, ״das Ziel das ich mir gesetzt, behalte ich stets vor Augen," und er wandte den Blick himmelwärts, ״aber eben deßhalb muß ich Sie ja ersuchen, mir gefälligst erklä- . 13 ' " n ״׳־