Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 6 (März 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-03-01
- Page
- 190 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Licht- und Schattenbilder. ren zu wolle», warum Sie vom Himmel die Macht sich erstehn, mein Wirken zu vernichten." ״Weil alle Ihr Wirken bisher nur das eine Ziel hatte, unsere heiligen Lehren und Gebräuche zu untergraben." ״Manche veralteten unanständigen Gebräuche, nun das mochte ich wohl nicht in Abrede stellen; aber unsere heiligen Lehren — Sie, Herr Wolf, mit Ihrem hohen Geist werden doch aus de» Lappalten, denen entgegenzutreten ich mich veranlaßt sah, nicht Dogmen machen wollen." ״Ich kenne keine Lappalien denen Sie entgegengetreten, noch viel weniger aber kommt es mir in den Sinn, Dogmen machen zu wollen." ^Ereifern wir uns nicht, bester Freund, lassen Sie ruhig gelassen uns reden, lassen Sic Thatsachen sprechen. Nehmen wir als Beispiel die erste Anordnung die ich traf, und die Sie mit dem Ansbieten aller Macht zu hindern suchten, daß näuilich am Jom Kippur unserem höchsten Fasttage Jedermann in anständiger Kleidung im Gotteshause erscheine, und Keiner es wage sich der zum Anstand gehörigen ledernen Fußbekleidung zu entledigen. Was können Sie wohl gegen eine solche Anordnung einwenden? — Sehe» Sie, wenn ich im Tempel vor meinen Gott hintrete so lasse ich mich's dünken, ich träte vor meinen König. Und so wenig tch'S wagen würde, vor dem König in unanständigem Aufzug zu erscheinen, so wenig möchte ich mir erlauben oder der mir unterstehenden Gemeinde cs gestatten, im Tempel Gottes sich unanständig blicken zu lassen." ״Und wenn nun Ihr König Ihnen gebieten würde, barfuß vor ihm zu erscheinen, so würden Sie ihm entgegen, daß Ihnen das der Anstand verbiete, und würden es wagen in Fußbekleidung sich ihm zu zeigen?" ״Sie belieben zu scherzen Herr Wolf," entgcgnete der Doktor mild lächelnd, ״doch Ihr Einwand ist nicht übel in der That; nur gebe ich Ihnen zu bedenken, daß ein vernünftiger König einen derartigen Befehl wohl nie erlassen wird." ״Schade, Schade, daß unsere heiligen Lehre» uns ertheilt worden, ohne daß Herr Doktor Fuchs zu Nathe gezogen." ״Spotte» Sie nur, spotten Sie nur Freundchen, cs wird Jhnen nicht gelingen, mich in Harnisch zu bringen. Zugestehen werden *