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Jeschurun · 1865-03-01 · Heft 6 (März 1865) · p. 188

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 6 (März 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-03-01
Page
188 (sequence 10)
Language
German
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188 Licht- und Schattenbilder. obgleich im Rechte, sich dennoch in diesem Grade drücken ließen, so nannten sie das Ertragen dieses Druckes selbst eine Tugend, und die eigene feige Schläfrigkeit Hillel'sche Geduld. Abraham Wolf war beinahe der Einzige, der den Muth hatte, diesen Reformern mit Entschiedenheit entgegeuzutreten. Doch von den Gesinnungsgenossen stets matt nur unterstützt und, wo es znm Ernste kam, stets schmählich im Stiche gelassen, vermochte sein Entgegentreten höchstens eine Maßregel zu verzögern, sie zu unterdrücken nie. So war auch die Anstellung des Doktor Fuchs erfolgt, und zwar, um jede Einsprache zu vermeiden, zu einer Zeit, in der Wolf auf einer größeren Geschäftsreise sich befand. Manch nettes Histörchen erzählte man sich über den hochgelehrten Herrn. So war einen Tages ein schlichter jüdischer Landmann in sein Zimmer getreten und hatte ihn mit einem treuherzigen ״guten Morgen Herr Rabbiner" begrüßt. ״Man sagt Herr Doktor," ward er barsch zurechtgewiescn. Der einfache Mann verstand dies nicht. ״Ich habe eine Schelle, Herr Rabbiner" fuhr er schüchtern fort. ״Herr Doktor sagt man," erscholl es noch ärgerlicher. Der gute Mann sah sich betroffen um ״Herr Doktor? wohnt ein Doktor hier? ach der kann mir nichts nützen, mein Hühnchen ist schon todt." Im Grunde hatte der Ehrenmann Recht, wenn er sich lieber Doktor als Rabbiner nennen hörte, denn daß er das zur Ausübung des Rabbtnatsamtes nothwcndtge Wessen nicht besaß, das wußte vielleicht sogar er. Um so eifriger war er bemüht, im Einverständnisse mit dem gleichgesinnten Gemeindevorstande, seiner Gemeinde die herrlichsten Anstandsvorschrtften re., in der Synagoge, bei Leichenbegängnissen re. zu creiren- So durfte am- Versöhnungstage wie auch am Tage der Zerstörung von Jerusalem Keiner ohne Lederfußbekletdung in der Synagoge sich blicken lassen; zahlreiche hebräische Gebete wurden abgeschafft, einige ״erhebende deutsche Gesänge" dafür etngesührt. Keine Leiche sollte fortan im Grabe Ruhe finden ohne von weißen Wachskerzen mit schwarzen Crcppschleifen zu Grabe geleitet, vom Chor zu Grabe gesungen zu werden u. dgl. m. Daß Abraham Wolf sein Möglichstes that, um alles dieses zu Hintertreiben, bedarf kaum erwähnt zu werden. Doch trotzdem sein Streben erfolglos blieb, erbitterte es seine Gegner aufs Höchste.

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